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ALMANAC

„It is the thirst of blood that leads the audience to the arena“

Wenige Künstler haben die Liaison zwischen E-Gitarre und Orchester geprägt wie Victor Smolski. Mehr als 15 Jahre lang bestimmte der Gitarrenhexer aus Weißrussland das klangliche Erscheinungsbild von RAGE. Dann rief er sein eigenes Projekt ALMANAC ins Leben. Dort, soweit keine Überraschung, feilte er unermüdlich weiter an der nahtlosen Verschmelzung von Metal und Klassik, unterfüttert mit packender historischer Akkuratesse.

Nach dem Aufhorchen rund um die ersten beiden Platten „Tsar“ (2016) und „Kingslayer“ (2017) unterzog Smolski seine Band einer Generalüberholung. Und startet mit „Rush Of Death“ aus der Pole-Position ins Metal-Jahr 2020. „Wir waren sehr viel live unterwegs“, fasst Smolski die letzten Jahre zusammen. „So viel, dass manche von uns an ihre Grenzen gestoßen sind. Einige Mitglieder nahmen in Freundschaft ihren Hut, weil sie merkten, dass wir anderen Vollgas geben wollten. Das konnten sie nicht tun, also machten sie den Platz frei für das, was jetzt die stärkste ALMANAC-Besetzung ist, die wir je hatten.“

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ALMANAC im Jahr 2020, das ist der musikalische Direktor Victor Smolski (Gitarren, Cello, Sitar, Piano, Keyboards), das Sänger-Zweigestirn aus Patrick Sühl und Jeannette Marchewka, Basser Tim Rashid und Kevin Kott an den Drums. GAMMA-RAY-Röhre Frank Beck und Growl-Größe Marcel Junker bringen zusätzliche Stimmbandwucht ein. „Auch dieser Line-Up-Wechsel hat uns unglaublich nach vorn gebracht. Plötzlich hatten wir Zeit zum Proben, zum Experimentieren und für spontane Gelegenheiten. Und irgendwie“, lacht Smolski, „sind wir aus Versehen sehr viel härter geworden.“

Das kann er laut sagen: Nachdem er ein Jahr lang mit der jetzigen Besetzung auf Tournee war und vom kleinen Club bis zur großen Arena alles gespielt hat, was ihm in die Finger geriet, melden sich ALMANAC gewohnt bombastisch und ausgefeilt, vor allem aber knackig hart, schnell und aggressiv zurück. Nach über 30 Jahren hat Victor Smolski natürlich längst einen Signature-Stil, den man sofort erkennt – hartes Riffing, bombastische Orchestrierung, vielseitiger Gesang. Mehr denn je fällt auf dem dritten Album aber die große Bandbreite zwischen sinfonischer Pracht und erdrückender Wucht auf. Härter, zupackender, punktgenauer klangen ALMANAC nie.

Dynamischer auch nicht: „Rush Of Death“ ist ein zweigeteiltes Album, dessen Mittelteil aus der „Suite Lingua Mortis Part 2“ besteht, dem direkten Sequel zum gefeierten Metal-Orchester-Spektakel vom RAGE-Album „Speak Of The Dead“ (2006). „Die erste „Lingua Mortis“ Suite habe ich gemeinsam mit meinem Vater erschaffen“, so Victor. „Vor einigen Jahren verlor ich ihn, was mich in ein tiefes Loch stürzte. Er war sehr wichtig für meinen musikalischen Werdegang und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Lange konnte ich gar nichts komponieren. Doch jetzt ist es an der Zeit, diese Suite in Gedenken an ihn fortzusetzen. Mit demselben Orchester aus Minsk und in demselben Studio.“

Wie ALMANAC gemeinsam mit dem Inspector Symphony Orchestra und dem Ensemble Virtuoso Vollgas geben, wird jedem Smolski-Fan, aber auch jedem Anhänger der sinfonischen RAGE-Tage Freudentränen in die Augen treiben. So direkt und organisch klingt keine Metal-Band, die mit einem großen Orchester zusammenarbeitet. Zumindest keine, die nicht von Victor Smolski angeführt wird. „Ich will keine Band, bei der jeder nur zuhause sitzt und Demos durch die Gegend schickt“, stellt er klar. „Ich mag es, die Songs im Proberaum live zu spüren. Erst wenn ein Song live funktioniert“, ist er sich sicher, „ist er auch gut genug fürs Studio.“

„Rush Of Death“ ist nicht nur das härteste ALMANAC-Album. Es ist auch das modernste. Nach russischer Geschichte und den grausigen Hymnen auf gemeuchelte Könige wendet sich Smolski den Gladiatoren zu. Im orchestral unterlegten Mittelteil den sagenumwobenen Kämpfern im Alten Rom, in den übrigen Songs den Gladiatoren unserer Zeit – den Rennfahrern. „Für das Publikum ist es eine Mordsshow“, sagt er über den Motorsport. „Doch für die Fahrer ist es eine ernste Angelegenheit, bei der es um Leben und Tod geht. Ich bin seit über 25 Jahren professioneller Rennfahrer. Ich weiß, wovon ich spreche.“

Metal und Geschwindigkeitsrausch als ultimative Paarung, noch dazu mit persönlichem Hintergrund: Smolski war unter anderem Vizemeister in der Division Supercars bei der Deutschen Rallycross Meisterschaft 2018/2019, hat 17 Klassensiege auf Nürburgring, Hockenheimring oder in Spa-Francorchamps eingefahren und elfmal am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilgenommen. „Ich habe oft mein Leben riskiert und mich danach gefragt, wie bescheuert ich eigentlich bin. Doch in diesem Adrenalinrausch denkt man anders. Wenn ich den Helm aufsetze, bin ich in einer anderen Welt. Der Startknopf meines Wagens ist mein Resetknopf.“

Ganz ähnliche Emotionen durchlebt er, wenn er mit ALMANAC auf der Bühne steht. „Ich versinke vollkommen in dieser Energie und dieser Welt. Ich bin im Hier und Jetzt, genau in diesem Moment. Hinterm Steuer und auf der Bühne lebe ich sehr intensiv.“ Auf seinem dritten Album kommen seine beiden größten Leidenschaften endlich zusammen. Und für beide gilt: Pedal to the metal!