Metal Commando

PRIMAL FEAR

PRIMAL FEAR - Metal Commando

Veröffentlicht am: 24.07.2020

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Setzen, Bücher raus, kurzer Exkurs in die faszinierende Welt der Fauna: Wenn einer Schlange ihre Haut zu eng wird, dann häutet sie sich. Darunter kommt dieselbe Schlange zum Vorschein. Nur größer, unverbrauchter, mächtiger. Dasselbe ist mit Deutschlands zuverlässigster Heavy-Metal-Bastion PRIMAL FEAR auf „Metal Commando“ passiert. Sie hat sich gehäutet. Darunter kommt – zum Glück! – dieselbe, unverkennbar nach vorn marschierende Einheit zum Vorschein. Und zugleich eine Band, die gewachsen ist. In die Höhe. In die Breite. In die Tiefe. Bandgründer und Mastermind Mat Sinner bringt die Essenz des 13. Albums mal eben auf den Punkt:

„Das Harte ist härter, das Epische epischer, das Schnelle schneller, das Düstere düsterer.“

Auch ohne Allegorie aus dem Reich der Schuppenkriechtiere wird somit klar: „Metal Commando“ ist ein neues Level im Schaffen der unaufhaltsam über unseren Köpfen kreisenden Metal-Adler. Nachdem PRIMAL FEAR schon mit ihrem furiosen, selbstbetitelten Einstand von 1998 für einem Paukenschlag im deutschen Heavy Metal sorgten und diesen Status mit den folgenden, stets in rapider Sukzession entfesselten Offensiven immer eindringlicher untermauern konnten, steht jetzt ein Reset hervor. Eine Wiedergeburt von epischen Proportionen, die selbst das bärenstarke „Apocalypse“ von 2018 überflügelt. Und das heißt was: Mit dieser Platte fuhren PRIMAL FEAR nicht zu Unrecht die höchsten Chart-Entrys in Deutschland, den USA, Kanada, Japan und der Schweiz.

Wer PRIMAL FEAR zuvor schon feierte, wird vor „Metal Commando“ auf die Knie fallen. Und wer den süddeutschen Stahlschmieden aus welchen dubiosen Gründen auch immer bis heute noch nicht verfallen war, der hat allerspätestens jetzt keine Wahl mehr. Die Songs sind einfach zu stark, die Hooks zu bohrend, die Refrains zu groß, die markante Phalanx aus drei Gitarren zu unüberwindbar und die Riffs zu zielsicher als dass man großartig Widerstand leisten könnte. „Wir sind eben einfach ein bärenstarkes Team“, lacht Sinner. Wir, das sind neben ihm und der gesanglichen Naturgewalt Ralf Scheepers noch der Gitarrist der ersten Stunde Tom Naumann, Alex Beyrodt und Magnus Karlsson an den weiteren Gitarren und der neue Wirbelwind am Schlagzeug, Michael Ehré.

„Wir alle haben Bock auf das, was wir tun. Jeden Tag. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht – entsprechend leicht fällt es uns deswegen natürlich, in den Proberaum zu gehen, Songs zu schreiben und aufzunehmen oder gemeinsam auf Tournee zu fahren. Wir können die Musik machen, die wir am meisten lieben.“

Und in diesem Fall kann man getrost sagen: Da weiß jemand, wovon er spricht. Sinner ist eine veritable Heavy-Metal-Legende, die alles gesehen, alles erlebt, alles mitgemacht hat. Seit 1982 bei seiner anderen Band SINNER, nebenher auch bei Voodoo Circle, als Produzent oder Maestro der gigantischen Rock Meets Classic-Tourneen, die regelmäßig die Größten der Rock- und Metal-Welt mit einem klassischen Orchester vereinen.

„Metal spielt eine unverändert große Rolle in meinem Leben. Und nicht nur das: Ich nehme diese Musik und unsere Songs sehr ernst. Wenn wir ein neues Album machen, wollen wir sicherstellen, dass es das Beste ist, das wir zu diesem Zeitpunkt machen können. Eine Platte ist für die Ewigkeit. Die kann man nicht einfach ungeschehen machen. Ein Jahr lang stecke ich alles, was in mir ist, in ein Projekt – mit dem Ziel, dass alles so frisch klingt wie am ersten Tag. Ich will, dass man hört, wie viel Bock wir haben.“

„Metal Commando“ hört man diese Frische, diesen Furor, diesen Hunger mit jeder Note an. Ein Werk, fast schon größer als die Band selbst, ein Heavy-Metal-Hohelied mit drei unschlagbar übermächtigen Gitarren, mit dem PRIMAL FEAR in den Schoß ihres ersten Labels Nuclear Blast zurückkehren.

„Für uns schließt sich damit ein Kreis. Zugleich war die Rückkehr zu unseren alten Freunden eine gewaltige Motivation: Wir wollten nicht einfach mit einem netten Album zurückkehren. Die Messlatte war also entsprechend hoch angesetzt.“

Wo andere Bands straucheln oder unter dem Druck leiden würden, sorgte der Labelwechsel bei PRIMAL FEAR für eine explosionsartige Freisetzung von großartigem Heavy-Metal-Substrat. War wahrscheinlich sogar messbar in der Atmosphäre. „Wir schrieben und schrieben und merkten früh, dass da eine Menge gutes Zeug dabei ist“, so der Bandleader. Gutes Zeug? Mat, du oller Tiefstapler, man weiß ja gar nicht, wo man anfangen soll. Die Songs ballern nach vorn, wie es nur PRIMAL FEAR-Songs können, ein Sound, der nach 22 lauten Jahren längst zum Markenzeichen wurde und eine stählerne neue Legierung spendiert bekommen hat.

Highlights? Bitte eines aussuchen: Das abschließende ‚Infinity‘ vielleicht, das große Epos und mit über 13 Minuten Spielzeit zugleich längster Song der Bandgeschichte? Oder ‚I Am Alive‘, dieser spektakulär galoppierende Opener. Dazwischen erstreckt sich die größte Bandbreite, die man bislang von PRIMAL FEAR zu hören bekam: ‚Halo‘ hat all das, was die Fans der ersten Stunde von PRIMAL FEAR hören wollen, ‚Along Came The Devil‘ präsentiert sich als typischer Primal-Fear-Groover mit ungewöhnlich aggressivem Gesang. In ‚Hear Me Calling‘ treffen Atmosphäre und ein Monster-Hook zusammen, ‚Lost And Forgotten‘ gibt sich modern und knackig hart. Höllisch schnell und brutal wird es bei ‚My Name Is Fear‘, Gegenentwurf dazu ist die zerbrechliche Ballade ‚I Will Be Gone‘ Sinner: „Da ist Ralf in absoluter Höchstform!“

Nicht nur er: „Jeder wusste, wohin die Reise geht“, sagt der Basser und Sänger. „Wir waren alle so angestachelt von den Leistungen der jeweils anderen, dass wir über uns hinausgewachsen sind.“ Los ging es mit der Vorproduktion im Juli 2019, danach verschanzte sich der Bandboss mit Neuzugang Michael Ehré in Dänemark beim langjährigen Buddy Jacob Hansen (VOLBEAT) für die Schlagzeugaufnahmen. „Ich wusste ja, dass er gut ist. Aber so gut, das hätte ich nicht gedacht!“, lacht Sinner, der „Metal Commando“ natürlich wieder selbst produziert hat. Ehrensache! Ähnlich begeistert zeigt er sich von der Gesangsleistung seines langjährigen Weggefährten Ralf Scheepers.

„Er weiß, was ich kann, und ich weiß, was er kann. Wir wollen beide dasselbe, aber nicht immer auf demselben Weg. Ein bisschen also wie in einer alten Ehe. Am Ende wollen wir beide aber immer nur das Beste für PRIMAL FEAR. Hilft natürlich enorm, wenn man einen Sänger hat, der immer noch über deine volle Stimmpower verfügt.“

Bleibt im Grunde nur noch der eigentlich recht plakative, aber dann wiederum herrlich passende Albumtitel „Metal Commando“. Mat Sinner klärt gerne auf: „Schon auf unserer ersten US-Tour gaben uns die Amerikaner diesen Spitznamen – ‚German Metal Commando‘. Keine Ahnung, woher das genau kam, aber es blieb hängen und verfolgt uns in Amerika bis heute.“ Passt perfekt zu diesem vielleicht stärksten Album der bisherigen Karriere. Wie eigentlich alles andere an dieser Platte auch.

Tracklist
1 - I Am Alive
2 - Along Came The Devil
3 - Halo
4 - Hear Me Calling
5 - The Lost & The Forgotten
6 - My Name Is Fear
7 - I Will Be Gone
8 - Raise Your Fists
9 - Howl Of The Banshee
10 - Afterlife
11 - Infinity
12 - Rising Fear (Bonus)
13 - Leave Me Alone (Bonus)
14 - Second To None (Bonus)
15 - Crucify Me (Bonus)
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