Rough Times

KADAVAR

KADAVAR - Rough Times

Veröffentlicht am: 29.09.2017

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„Die Leute stecken dich immer gerne in eine Schublade und deshalb ist es unser Job, uns unsere eigene Schublade zu kreieren und sie KADAVAR zu nennen!“

Von den wenigen glücklichen Bands, die es schaffen ihre Leidenschaft in eine Karriere umzuwandeln, gibt es noch wenigere, die nicht in der hoffnungslosen Kreativitätsstagnation hängen bleiben, sobald das Hobby zur Arbeit wird. Wir alle wissen, dass sobald Rock ‘n‘ Roll bedeutet, sich im Büro wiederzufinden, es keine Gewinner mehr gibt. Die Jungs des deutschen Trios KADAVAR, die zweifellos eine der am härtesten arbeitenden Europäischen Rock-Bands sind, stehen nun kurz vor der Veröffentlichung ihres vierten Full-Length-Albums und blicken auf eine siebenjährige Karriere zurück, in der sie stets aus dem Raster gefallen sind! Man sollte jedoch auf keinen Fall glauben, dass sie die Musik nur als eine andere Art um Rechnungen zu bezahlen benutzen, denn KADAVAR sind völlig im Einklang mit dem einzig wahren Grund, wieso überhaupt irgendjemand eine Band gründen sollte: Freiheit!

„Wir haben uns früher oft unter Druck gesetzt“, sagt Gitarrist und Sänger Christoph ‘Lupus’ Lindemann. „Wir wollten nicht einfach nur eine neue Rockband sein, wir wollten die Besten sein! Mittlerweile haben wir uns von dem Gedanken losgelöst, nur glücklich sein zu können, wenn wir hohe Chartergebnisse erzielen oder große Hallen füllen. An diesen Punkt zu gelangen benötigt eine Menge geistige Reife und dass wir dort angekommen sind befriedigt mich mehr, als es jede volle Arena tun könnte.“

Das heißt jedoch nicht, dass es ihnen fremd wäre, hoch in den Charts zu landen oder ausverkaufte Shows zu spielen! Nachdem sich KADAVAR 2010 in der deutschen Hauptstadt gegründet hatte, dauerte es nicht lange bis jeder ihren Namen kannte und sie im Vergleich zu ihren Retro-Rock Label-Kollegen schon schnell in einer ganz anderen Liga spielten! Das konnte KADAVAR nicht nur eine Publikumsmenge weit über der 1000er-Grenze verschaffen sondern auch für die Chartpositionen ihres dritten und letzten Albums »Berlin« sorgen: Dieses landete auf Platz 18 in Deutschland und auf 21 (Heatseekers) in den USA. Hoch angesehen als eine der explosivsten Live-Erlebnisse der zeitgenössischen Rock-Szene, scheint ihr Geheimnis aus drei wesentlichen Zutaten zu bestehen: leicht zugänglicher und trotzdem personalisierter Classic-Rock; Höchstleistung ohne viel Schnickschnack bei allem was sie tun ("minimaler Aufwand, maximale Wirkung"); und ihre unbestreitbare deutsche Hartnäckigkeit! „Auch früher schon haben wir nach der Maxime gelebt, dass dich niemand kennen wird, wenn du nicht immer mindestens 120 Prozent gibst!“, erzählt Drummer Christoph 'Tiger' Bartelt. „Das war die eine Hälfte des Schlüssels zum Erfolg. Die andere Hälfte war jugendliches übermäßiges Selbstvetrauen!“

Er und Lupus sind beide in der Arbeiterklasse aufgewachsen, letzterer sogar in einer Art karrieresüchtigen Familie von Athleten, die seine wettbewerbseifernde Seite zu verantworten haben („in unserer Familie war der Zweitbeste der Verlierer“). Beide haben nach dem Gymnasium Tontechnik studiert und sich, wie jeder andere Jugendliche auch, nachts in den Berliner U-Bahnen getroffen. Ihre Inspiration bekamen sie, als die neue Welle der Retro-Rock-Szene die Mitte der 2000er überschwemmte. Gemeinsam gründeten sie auf der Grundlage eines Vintage-Sounds mit klassischer Song-Struktur die Band KADAVAR – ein bewusster Schritt weg von den zunehmend heavier werdenden Stoner-Bands dieser Zeit. Ein Amerikanischer Underground-Held namens DANAVA inspirierte sie zu ihrem Bandnamen. „Wenn jemand aus einem einzigen Riff einen siebenminütigen Track macht und das als etwas Cooles verkauft, denke ich, dass er in Wahrheit einfach nur zu blöd ist, um ein gutes Lied zu schreiben“, sagt Lupus. „Unser Ziel war es eher, wie eine Heavy Garagen-Band zu klingen und das tun wir auch noch immer, vielleicht sogar mehr als je zuvor.“

Was jedoch ihre Persönlichkeit angeht könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Lupus ist von sozialer und starrsinniger Natur. Ein emotionaler und direkter „Ostdeutscher“, wie er es selbst zusammenfasst. Während er stets zeigt was er denkt, ist Tiger eher in sich gekehrt und präsentiert der Außenwelt sein wahres Ich nur auf der Bühne. Wo Lupus spricht, denkt Tiger für sich.

„Es ist kein Zufall, dass er sich Lupus, ‘Wolf‘, nennt“, erklärt der Schlagzeuger. „Er hat einen echten Killerinstinkt und ist ein wirklich loyaler Begleiter. Er ist impulsiv und manchmal kommt es einem so vor, als ob er es sogar genießen würde wenn er sich unwohl fühlt. Sich mit ihm einigen zu erkönnen sorgt oft für Spannungen und erfordert eine starke Haltung. Das klingt schroff, aber eigentlich mag ich es.“

„Tiger nimmt sich stets die Zeit, die er braucht, um eine Situation wirklich zu verstehen und eine Entscheidung zu treffen, die darauf basiert. Ich vertraue ihm und verlasse mich auf ihn; ohne ihn wäre die Band längst tot", sagt Lupus.

Zwischen den beiden bildet Simon 'Dragon' Bouteloup die Balance. Dieser hat das ursprüngliche Mitglied Phillip 'Mammut' Lippitz ersetzt und ist alles andere als typisch Deutsch, denn er ist Pariser Bohemien. Er verbrachte seine späten Teenagerjahre intuitiv in Europa - genauso wie es auch sein Spielstil ist - und landete später letztendlich bei den berüchtigten französischen Psychonauten AQUA NEBULA OSCILLATOR. 2012 zog er nach Berlin, um mit THE OATH zu spielen und trat zwei Jahre später KADAVAR bei.

"Simon ist eine wirklich tolle, liebenswerte Person, die die Band sehr verändert hat. Er hat einen völlig anderen musikalischen Hintergrund und eine ganz eigene Haltung zum Leben. Wenn du dir keine Zeit nimmst um zu lernen, ihm immer zuerst einmal in Ruhe zuzuhören, wirst du nie herausfinden, wer er ist. Aber wenn du das tust, dann wird sich dir eine ganz neue Welt öffnen!", sagt Lupus. "Sein Engagement für die Musik ist bemerkenswert", fügt Tiger hinzu. "Das habe ich schon immer an ihm bewundert.“

Gemeinsam bildet das Trio eine einzigartige Symbiose. Jedes mal bevor der Vorhang aufgeht, spornen sie sich gegenseitig dazu an, den kompletten Raum mit ihrem Klang auszufüllen und wachsen noch näher zusammen, sobald er wieder gefallen ist. "Wenn du nur zu dritt auf der Bühne bist darfst du keine Fehler machen und deshalb muss jeder von uns jeden Abend sich selbst und den anderen in den Arsch treten. Aber wenigstens haben wir so immer genug Platz auf der Bühne, um uns klanglich und körperlich entfalten zu können", sagt Simon.

Anfang 2017 hat sich die Band darauf vorbereitet, einen neuen Albumzyklus zu starten, für den sie buchstäblich ihre Ärmel hochgekrempeln um ein brandneues Aufnahmestudio zu bauen! Über 100 Quadratmeter in einem Industriekomplex im Bereich Neukölln in Berlin sind nun ihre kreative Oase und ihr Arbeitsplatz. Die Aufnahmen für den Nachfolger von »Berlin« haben bereits begonnen."Wir haben sehr viel darüber nachgedacht, wie wir nach dem letzten Album weitermachen wollen", sagt Tiger. "Ich glaube, ich versuche nicht nur ein Musiker zu sein, sondern auch wie ein Künstler zu denken, zu schreiben und zu spielen. Das klingt abgedroschen, aber ich meine es in der Art, wie sich ein Maurer von einem Architekten unterscheidet: Es geht nicht nur darum, die Steine zu setzen, sondern auch darum, eine schöne Sicht auf ein Haus mit verschiedenen Räumen zu schaffen." Absichtlich oder nicht, der Vergleich zum Bauen eines eigenen Hauses gibt dem Album-Prozess eine poetische Note. "Es ist eine große Herausforderung", sagt Simon. "Aber auch eine positive Zeit, in der wir alles in Frage stellen können, was wir bereits etabliert haben, um als Band voranzukommen. Wir würden uns und unsere Fans nicht respektieren, wenn wir einfach nur ein weiteres KADAVAR-Album herausbringen. Es muss anders sein und hoffentlich auch besser!"

Natürlich hätten sie sich auch einfach auf ihrem bisherigen Erfolg und ihrer Einstellung ausruhen können, doch der Hunger ist noch lange nicht gestillt. Am besten erklärt das jedoch der Wolf selbst: „Sobald du realisiert hast, dass du deine Musik auf die nächste Stufe gebracht hast, wo du sogar von ihr leben und die Welt sehen kannst, arbeitest du dir den Arsch ab, um das auch behalten zu können. Was sollten wir denn sonst tun? In der normalen Welt sind wir nutzlos. Und vielleicht wirkt es auch viel härter, als es eigentlich wirklich ist…“

Tracklist Dauer
1 - Rough Times 3:38
2 - Into The Wormhole 4:17
3 - Skeleton Blues 4:24
4 - Die Baby Die 4:18
5 - Vampires 4:48
6 - Tribulation Nation 5:04
7 - Words Of Evil 3:37
8 - The Lost Child 5:52
9 - You Found The Best In Me 4:58
10 - A L'Ombre Du Temps 3:57
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