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Medusa

PARADISE LOST

PARADISE LOST - Medusa

Veröffentlicht am: 01.09.2017

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Vielen ist Medusa bereits aus der griechischen Mythologie als abscheuliche Gorgone bekannt, die jeden sofort zu Stein erstarren lässt, der es wagt, sie anzublicken. Dieses weibliche Monster wählten PARADISE LOST zur Gallionsfigur ihres 15. Albums, doch aus philosophischer Sicht ist sie mehr als nur die Gorgone mit den lebenden Schlangen als Haar. Als Sänger Nick Holmes seine Recherche begann, faszinierte ihn sofort die nihilistische Konnotation der Medusa: „Der Versuch nicht in ihre Augen zu blicken, repräsentiert das Verlangen danach, die augenscheinlich deprimierende Realität zu verdrängen, dass das Universum letztendlich bedeutungslos ist“ – diese Idee wurde einst von dem amerikanischen Schriftsteller Jack London ins Leben gerufen und hätte problemlos auch aus einem von PARADISE LOSTs Liedtexten aus den letzten 30 Jahren stammen können.

Nach ihrer Gründung im Jahr 1988 entwickelte sich die Combo aus dem mittelenglischen Halifax nicht nur zu einigen der prägendsten Persönlichkeiten im Metal, indem sie das Gothic Subgenre gründeten und Doom auf ein neues Level hoben, sondern auch zu musikalischen Pionieren. Niemals scheuten PARADISE LOST es, neue Wege zu gehen und kaum eine andere Band vereint so viele verschiedene Stile in ihrer Bandgeschichte – von den Death Metal-Anfängen über düsterpoppige Klänge auf »Host«, elektronische Einflüsse von »Symbol Of Life« und majestätische Gothic-Momente, niemals ließen Sänger Nick Holmes, die Gitarristen Greg Mackintosh und Aaron Aedy sowie Basser Steve Edmondson sich von ihrer eigenen Vision abbringen. Seit ihrer Gründung ist das Quartett eine unzertrennliche Einheit und lediglich der Schlagzeugschemel wurde verschiedene Male neu besetzt. Und mit dem erst 22-jährigen Finnen Waltteri Väyrynen an der Schießbude, besinnen die Legenden sich nun auf ihre Anfänge zurück. Und was sich bereits auf ihrem gefeierten letzten Album »The Plague Within« abzeichnete, wird nun auf die Spitze getrieben: Denn mit »Medusa« liefern PARADISE LOST ihr härtestes Album der Neuzeit, das zermalmenden Doom/Death mit Nicks finstersten Growls vereint und eine neue Ära der britischen Misere einleitet.

In den Orgone Studios in der nebligen Landschaft von Woburn wurde gemeinsam mit Produzent Jaime Gomez Arellano (GHOST, ULVER, CATHEDRAL) ein wahrhaft infernales Biest aus der Taufe gehoben. Doch nicht nur musikalisch ergründen PARADISE LOST hier ihre Grenzen, auch textlich kommen sie immer wieder voller bitteren Lakonie auf die Sinnlosigkeit allen Lebens und unsere eigene Vergänglichkeit zurück, wie bereits in ihrem achteinhalbminütigen Opener ‘Fearless Sky‘:

“Schon immer gefiel mir der Ausdruck 'reichster Mann auf dem Friedhof’. Es fasst so akkurat zusammen, was unser Leben eigentlich bedeutet, sobald all unsere materiellen Besitztümer verschwunden sind. Besonders in unserer westlichen Gesellschaft scheint es nur noch darum zu gehen, ständig nutzlose Besitztümer anzuhäufen oder Leute dafür zu beneiden, wie sie vielleicht noch viel mehr von jenen nutzlosen Gegenständen anhäufen. In einem berühmten Film sagt die Mutter von jemandem: ‘Ein Mann braucht nur eine sehr kleine Menge an Reichtum – alles andere ist dann nur Angeberei.‘ Mir gefällt dieser Satz“, erklärt Sänger Nick Holmes.

Dem Glauben an eine höhere Macht oder einem tieferen Sinn in unserer menschlichen Existenz verweigert sich die Band und so beschäftigt sich ‘Gods Of Ancient‘ mit der Plausibilität von altem Paganglauben. Denn dieser erscheint mit seiner Sonnen- oder Naturverehrung weit nachvollziehbarer als das Konzept vieler Weltreligionen, die voller Hingebung auf ein Leben nach dem Tod hoffen, aber dabei das eigentliche Leben auf Erden vernachlässigen. Auch ‘No Passage For The Dead‘ rechnet mit diesem blindem Glauben ab:

"Die Möglichkeit nach dem Tod ins Himmelreich zu gelangen, ist solch ein lächerlicher menschenerschaffener Gedanke, der nicht besser als der Glaube an die Heilkräfte des Medizinmanns im alten Westen ist. Ich schätze, es war zunächst ein Konzept, das von cleveren Leuten erfunden wurde, um leichtgläubige und ängstliche Menschen zu manipulieren. Die Annahme, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, ist kein schöner Gedanke, aber gleichzeitig lernt man dadurch auch, die kurze Zeit, die man auf Erden hat, in vollen Zügen zu genießen."

Während deshalb sowohl musikalisch als auch textlich in manchen Songs ein Funken Hoffnung schimmert und mit dem Uptempo-Track ‘Blood And Chaos‘ auch klassischere, melodischere PARADISE LOST Momente angeschnitten werden, kehrt doch letztendlich alles wieder zu dem Gedanken zurück, dass die Menschheit es nur selten wert ist, auf diesem Planeten zu leben – somit erörtert Nick Holmes über die Hintergründe des letzten Tracks ‘Until The Grave‘:

“Wie ein Raubtier auf die Unterlegenheit oder Schwäche anderer zu warten kommt in vielen Arten daher, sei es als Mobbing auf dem Schulhof oder in Form von Ausrottung einer gesamten Völkergruppe. Der Song wurde inspiriert von all jenen Unschuldigen, die ihr Leben grundlos ließen und Opfer wurden von kopflosem Hass, irrationaler Angst oder Entmenschlichung auf Grund von Lügen und Propaganda.“

Also lasst alle Hoffnung fahren und zelebriert mit PARADISE LOST die Schönheit der Vergänglichkeit und des Nihilismus – solange das Leben es noch zulässt.

Tracklist Dauer
1 - Fearless Sky 8:31
2 - Gods Of Ancient 5:50
3 - From The Gallows 3:41
4 - The Longest Winter 4:32
5 - Medusa 6:22
6 - No Passage For The Dead 4:16
7 - Blood And Chaos 3:52
8 - Until The Grave 5:41
9 - Shrines 3:59
10 - Symbolic Virtue 4:37
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