Thrash-Hits
Die Tatsache, dass KREATOR noch eine Spur zugänglicher geworden sind, dürfte einigen Puristen weniger schmecken. Aber die Aufregung ist unbegründet, schließlich haben sich die Essener nicht in RATT oder POISON verwandelt. Stattdessen haben Mille & Co. ein paar mehr Widerhaken unter ihre schnellen Melodien gemischt, die nicht selten an die Hochzeiten der NWOBHM erinnern. So ist ein geniales Album entstanden, das gleichzeitig hart und hymnisch ist. Los geht es nach einem kurzen Intro mit dem Titelstück, das so auch auf »Enemy Of God« hätte stehen können. Thrash mit hohem Wiedererkennungswert. ‚Death To The World‘ ist schneller, hat dank eines eingängigen Refrains aber auch Hitpotenzial. ‚From Flood Into Fire‘ überrascht mit stampfender Rhythmik; Mille singt an einer Stelle nahezu klar. Mit ‚Civilization Collapse‘ wird das Gaspedal deutlich heruntergedrückt. Mille keift wie in besten Zeiten, verliert aber nie den roten Faden aus den Augen. ‚United In Hate‘ beginnt mit einem Akustik-Intro, doch Milles fieser Schrei beendet die Gemütlichkeit und ruft in unnachahmlicher Art zur Geschlossenheit auf. ‚The Few, The Proud, The Broken‘ erinnert von der Melodieführung an ‚Violent Revolution‘, ist aber noch eingängiger. Zum Ende hin entwickelt sich auch diese Nummer zu einer echten Hymne. ‚Your Heaven In My Hell‘ startet bedächtig, Mille spricht mehr flüsternd als er singt, bevor auch dieses Stück Härte und Geschwindigkeit aufnimmt. Die Melodie der Lead-Gitarre überstrahlt den Gesang deutlich, das Solo ist absolute Extraklasse. ‚Victory Will Come‘ thrasht hingegen sofort los, der Refrain ist im Vergleich zum restlichen Material fast ein bisschen zu gewöhnlich. Das abschließende ‚Until Our Paths Cross Again‘ hingegen lässt den Fan noch einmal staunend zurück. IRON MAIDEN-Gitarren in melodiös-progressiver Vollendung treffen auf schnelle Passagen, ein geniales Solo rundet ein Album ab, das sich in kürzester Zeit zu einem KREATOR-Klassiker entwickeln wird. Jede Wette!
Marcus Zemke