Die ultimative Bandhistory
Ein besseres und vor allem umfangreicheres Geschenk kann man sich als Fan einer Band kaum wünschen. 20 Jahre lang durchkreuzen Peter Tägtgren und seine HYPOCRISY-Jungs nun schon die Death-Metal-Galaxie und haben in diesen zwei Dekaden alle Höhen und Tiefen einer Karriere durchlebt. Dass dabei viel Amüsantes aber auch Nachdenkliches ans Tageslicht befördert wurde, liegt in der Natur der Sache. Kernstück dieser Dreifach-CD/DVD ist eine gut anderthalb Stunden lange Banddokumentation, in der auch viele ehemalige Bandmitglieder sowie Weggefährten und Freunde zu Wort kommen. HYPOCRISY haben die Bandhistorie chronologisch aufgerollt und mit allerhand interessanten sowie humorvollen Zwischentönen bzw. Interviews untermalt. Wenn man beispielsweise den ehemaligen Sänger Masse Broberg erzählen hört, wie er und Peter Tägtgren mal eine „Audienz“ bei MTV Headbanger’s Ball-Ikone Vanessa Warwick versemmelten, hält man sich vor Lachen den Bauch. Andererseits schildert Peter himself auch sehr eindringlich und bewegend, wie oft HYPOCRISY am Kollaps vorbeigeschrammt sind und welchem Druck er sich immer wieder selbst ausgesetzt hat. Die Schonungslosigkeit und Offenheit, mit der HYPOCRISY hier ihre Karriere skizzieren und kommentieren, ist bemerkenswert und bietet selbst für eingefleischte Fans noch neue Blickwinkel und Einsichten. Viel rares, bisweilen unveröffentlichtes Video- und Bildmaterial rundet diese Dokumentation perfekt ab. Für die Live-haftige Untermalung in Ton und Bild hat man ein komplettes Konzert der 2010er „Long Time, No Death“-Tour mitgeschnitten. Als Lokalität diente der „Blue Box“-Club in Sofia, eine sehr gute Wahl. Der Laden ist voll gepackt mit bulgarischen Metallern, welche die Band abfeiern wie Helden. HYPOCRISY laufen bei diesen Bedingungen zur Höchstform auf, es setzt alle Songhighlights der Karriere, vom 'Penetralia'-Medley bis hin zu 'Valley Of The Damned', hoch auflösend aus verschiedenen Blickwinkeln mitgefilmt und verpackt in einen dynamischen Sound. Wer das komplette Konzert lieber ohne Bild hören möchte, der bekommt das Ganze auch noch als Audio-Spur serviert. Keine Frage, mit dieser Veröffentlichung haben sich HYPOCRISY selbst ein würdiges Denkmal gesetzt.
Patrick Schmidt