Brutale Wiedergeburt
Die Frage, ob die Welt eine SUFFOCATION-Reunion brauchen würde, wird mittlerweile einhellig mit einem saftigen „Ja“ beantwortet. Mit »Blood Oath« liefert die Band ihr mittlerweile drittes Album nach der Wiederauferstehung ab und bietet dem geneigten Fan darauf einmal mehr brutalen Death Metal der edelsten Spielart.
Nach dem Weggang von Relapse Records konnte die Band für »Blood Oath« einen neuen Deal bei Nuclear Blast unterschreiben, was Sänger Frank Mullen recht pragmatisch sieht. „Der Deal mit Relapse war nach unserem letzten Album »Suffocation« schlicht ausgelaufen. Nuclear Blast haben uns ein gutes Angebot gemacht und uns mit ihrer Begeisterung angesteckt. Wir wollten natürlich auch ein Stück weiterkommen, weshalb alle Parteien von der neuen Situation profitieren.“ Obwohl SUFFOCATION mit neuem Label im Rücken zweifellos mehr Promotion bekommen werden und ausgedehntere Vertriebswege nutzen können, hat die Band den Vertrag nicht mit ihrem eigenen Blut unterschrieben. »Blood Oath« reflektiert schlicht das Lebensgefühl der fünf Musiker. „Wir haben einen blutigen Schwur auf den Death Metal geleistet. Wir machen das jetzt seit zwanzig Jahren, und wir werden das auch noch lange so weitermachen. Unsere Einflüsse waren schon immer Death- und Thrash Metal, Grind und alte Hardcore-Truppen. Wir können und wollen nur brutale Musik spielen.“ Trotz dieser Treue zu sich selbst sieht der Sänger das erste Post-Reunion-Werk »Souls To Deny« im Nachhinein kritisch. „Ich würde nicht sagen, dass es eine schlechte Platte ist, aber wir sind vielleicht ein wenig hektisch daran gegangen und wollten sie so schnell wie möglich fertig stellen. Deshalb ist sie an manchen Stellen nicht so gut, wie sie eigentlich sein könnte. Die Fans waren heiß auf Material und haben uns ein riesiges Feedback gegeben, daher wollten wir so schnell wie möglich eine Veröffentlichung auf dem Markt haben. »Suffocation« war danach ein ganzes Stück stärker und fokussierter, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, den Bandnamen als Titel zu nutzen. Das war sozusagen unsere Wiedergeburt.“ Und auch in anderer Hinsicht prophetisch, denn das Icon, das auf dem Cover dieses Albums auftauchte, findet sich auch im neuen Artwork wieder. „Wir haben damit gewissermaßen ein Trademark erschaffen, das man immer mal wieder auftauchen lassen kann. Wir sind als Band unverwechselbar und können auch optisch ab jetzt sofort identifiziert werden.“ Akustisch sticht die Band jedoch nicht mehr so aus der Masse hervor, wie das in ihren Anfangstagen der Fall war. Damals oft belächelt und als purer Krach abgetan, konnten sich SUFFOCATION nicht nur eine große Fanbase aufbauen, sondern auch als Vorreiter einer brutalen Death Metal-Welle etablieren. Frank schätzt sich da weitaus bescheidener ein. „Ich selbst würde uns nicht als Vorreiter sehen, glaube aber auch nicht, dass wir weniger aus der breiten Masse hervorstechen als früher. Es war ja nie unser Ziel, sämtliche Brutalitätsrekorde zu brechen, wir spielen einfach die Musik, die wir mögen. Deshalb können wir auch weiter einfach SUFFOCATION sein, ohne uns Sorgen darüber machen zu müssen, dass wir nicht mehr die härteste Band überhaupt sind.“ Wenn man als Headliner auf ausgedehnte US-Tour gehen kann, spielen solche Gedanken sowieso nur noch eine untergeordnete Rolle. „Auf die Tour freue ich mich sehr, das wird der Hammer! DECREPIT BIRTH und PSYCROPTIC kenne ich bereits, die anderen Gruppen nicht. Aber insbesondere von WHITECHAPEL habe ich bislang nur Gutes gehört.“ Die deutschen Fans dürfte die im Sommer stattfindende Europatour allerdings weit mehr interessieren, die die Band zusammen mit HATE ETERNAL absolvieren wird. Leider wurde den Rückkehrern bislang kein echtes Old School-Package mit zum Beispiel MORBID ANGEL, DEICIDE oder OBITUARY angeboten. „Das wäre echt mal genial. Wenn wir jemals danach gefragt werden, werden wir definitiv am Start sein!“ Da hilft wohl nur Daumen drücken und abwarten.
Matthias Weiner