Als die Norweger von COMMUNIC 2005 mit ihrem Debütalbum »Conspiracy In Mind« auf der Bildfläche erschienen, waren die Resonanzen überwältigend. Nicht nur, dass sie von mehreren Magazinen den ruhmreichen Titel „Album des Monats” verliehen bekamen, am Jahresende wurden sie ebenfalls mehrfach mit der Auszeichnung „Newcomer des Jahres” bedacht. Aber auch mit den in relativ kurzen Abständen veröffentlichten Folgewerken »Waves Of Visual Decay« und »Payment Of Existence« heimste die junge Band allerhand Lob und Anerkennung ein. Danach wurde es allerdings erst mal für längere Zeit still. Es gab kein neues Album und auch auf den Bühnen der Welt machten sich COMMUNIC rar. Nun ist die Eiszeit aber endlich vorbei und COMMUNIC melden sich nach drei Jahren Pause mit ihrem lang ersehnten neuen Werk »The Bottom Deep« zurück. Mastermind Oddleif Stensland gibt eine aktuelle Wasserstandsmeldung.
„Ja, wir haben wirklich eine Zeit lang gebraucht, aber wir sind immer noch da“, macht Stensland unmissverständlich klar. „Wir haben damals, kurz nachdem »Payment Of Existence« erschienen war, keine gute Tour zustande bekommen. Dazu kamen dann bei mir noch ein paar persönliche Probleme, sodass ich erstmal etwas Abstand gewinnen musste. Deshalb fühlt es sich jetzt auch irgendwie wie ein Neustart an. Wir sind in gewohnter Besetzung zurück und haben ein neues Album im Gepäck.“ Dieses hört – wie bereits erwähnt – auf den Namen »The Bottom Deep« und obwohl es ein typisches COMMUNIC-Album ist, transportieren die Stücke tatsächlich ein Gefühl von Frische und Unverbrauchtheit und untermauern so den Eindruck, man hätte es hier wirklich mit einem hungrigen Newcomer zu tun. Erwartungsgemäß fällt es Stensland aber aufgrund des geringen Abstands schwer, das neue Album in den Gesamtkontext des COMMUNIC-Katalogs einzuordnen. „Gerade im Bezug auf die eigene Arbeit ist es nicht leicht, dort Unterschiede zu benennen. Möglicherweise sehen Außenstehende das auch ganz anders, aber dieses Album ist gewissermaßen „menschlicher“. Es basiert auf persönlichen Geschehnissen und Gefühlen. Es ist dunkler, heavier, vielleicht auch direkter, obwohl es zeitweise dann auch wieder ziemlich progressiv ist. Außerdem würde ich sagen, es ist dramatischer.“ Scheinbar hat der COMMUNIC-Frontmann eine wirklich schwere Zeit hinter sich, wie auch seine Erläuterungen zur Thematik von »The Bottom Deep« beweisen: „Es ist ein Konzeptalbum über einen speziellen Vorfall in meinem Leben, der mich ebenfalls dazu zwang, etwas kürzer zu treten. Es dreht sich alles um eine sehr persönliche Begegnung mit dem Tod, da jemand, der mir sehr nahe stand, viel zu früh von uns gehen musste. Dieser Vorfall hinterließ so viele unbeantwortete Fragen über das Leben und den Tod und letztendlich kam all das, was ich damals gedacht und gefühlt habe, nun in Form der Musik und Texte wieder zu mir zurück. Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen, aber durch meine Musik kann ich mich ganz gut ausdrücken. Dieses Album zu schreiben, war für mich wie eine Therapie. Ich hoffe, dass ich nie wieder solch ein Album machen muss, obwohl ich die Songs darauf liebe und das Ergebnis in meinen Augen nahe der Perfektion ist. Es wird ein Statement für mein ganzes Leben sein und ich bin stolz darauf, dass ich so mutig war, da durch zu gehen. Wer sich tiefergehend mit den Texten auseinandersetzen will, bekommt sogar noch ein intensiveres Album geboten, wenngleich die Songs auch für diejenigen gut funktionieren, die einfach nur ein paar interessante Metalsongs hören wollen.“ Letztendlich ist es dann auch wenig verwunderlich, dass COMMUNIC sich mit diesem intimen Album erstmalig nicht in die Obhut des Produzenten Jacob Hansen begaben, sondern Oddleif Stensland die Fäden lieber selbst in der Hand hielt. „Aufgrund des dem Material zugrundeliegenden persönlichen Rahmens entschied ich mich, es selbst zu machen. Das soll jedoch nicht heißen, dass wir es in meinem Keller aufgenommen haben, um Geld zu sparen. Im Grunde genommen ist es sogar das teuerste Album, was wir bislang gemacht haben. Wir haben uns das professionellste Studio hier in der Gegend für 21 Tage - 24 Stunden am Tag – gebucht und haben lediglich hin und wieder den Studiotechniker zu Rate gezogen. Das war das erste Mal, dass ich abgesehen von unseren Demos etwas selbst produziert habe. Gemastert wurde das Album letztendlich von Dan Swanö.“ Von Ende August bis Mitte September werden sich die Norweger dann auch endlich mal wieder auf eine größere Tour begeben, bei der sie ihre Labelkollegen von FORBIDDEN begleiten. Trotz der länger andauernden Bühnenabstinenz betont Stensland, dass er gerne auf Tour geht: „Es sollte nur nicht für wesentlich länger als drei Wochen sein, weil danach die Umstellung auf das normale Leben zu viel Arbeit bereitet. Eigentlich spiele ich lieber auf Festivals, weiß aber natürlich auch um die Wichtigkeit des Tourens in der heutigen Zeit. Ich würde das auch wirklich gerne häufiger machen, aber durch die Familie und meinen regulären Job habe ich natürlich auch Verpflichtungen und bin da etwas limitiert. Auf der Tour mit FORBIDDEN wird es interessant sein, zu sehen wie das Thrash-Publikum COMMUNIC aufnehmen werden. Da unsere Wurzeln aber im alten Thrash der 90er Jahre liegen, sollte es gut funktionieren. Wir werden auf jeden Fall bei den Shows ein paar härtere Stücke spielen, die wir sonst nicht so häufig bringen.“
Samia Scheib