At The Edge Of Time

BLIND GUARDIAN

BLIND GUARDIAN - At The Edge Of Time

Veröffentlicht am: 30.07.2010

Mit »At The Edge Of Time« melden sich Blind Guardian auf eindrucksvolle Weise zurück. Dabei zählen Hansi Kürsch (Gesang), André Olbrich (Gitarre), Marcus Siepen (Gitarre) und Frederik Ehmke (Schlagzeug, Percussions) aufgrund ihrer von Anfang an konsequent forcierten und auf ihrem neuen Werk förmlich zelebrierten musikalischen Innovationen zu den Melodic/Prog-Protagonisten im Genre der harten Sounds. Bereits mit ihren vier Spätachtziger/Frühneunziger-Veröffentlichungen »Battalions Of Fear« (1988), »Follow The Blind« (1989), »Tales From The Twilight World« (1990) und »Somewhere Far Beyond« (1992) spielten sich die damaligen Newcomer rasant in die Herzen der weltweiten Fan-Gemeinde. Schon auf ihrer ersten Japanreise im Jahre 1992 schaffte es der Krefelder Vierer das japanische Publikum auf eindrucksvolle Weise für sich zu gewinnen. Von diesem schwermetallischen Fanal zeugt der ’93-er Live-Mitschnitt »Tokyo Tales Live« (1993) - aufgenommen vor mehr als 4000 verzauberten Fans. Mit ihren weiteren Veröffentlichungen - »Imaginations From The Other Side« (1995), »The Forgotten Tales« (1996), »Nightfall In Middle-Earth« (1998) – konnten die Krefelder trotz eines in den Neunzigern schwieriger gewordenen musikalischen Umfelds unbeirrt ihren Siegeszug fortsetzen, mauserten sich zu Stammgästen und Headlinern solch international renommierter Festivals wie dem englischen Bloodstock, dem Bang Your Head!!! in Balingen und vor allem dem Wacken:Open:Air. Gleichzeitig avancierte die Band auch in Südamerika zum absoluten Mega-Star. Vorläufiger Höhepunkt in der Festival-Biografie ist das am 13./14. Juni 2003 von der Band selbst veranstaltete, als „Blind Guardian Open Air“ in die Annalen der Rock-Historie eingegangene Open-Air-Festival in Coburg, bei dem Kürsch, Olbrich & Co. an beiden Abenden als Headliner auftraten. Die DVD »Imaginations Through The Looking Glass« (2004) und das Doppelalbum »Live« (2003), das sich immerhin auf Platz 16 der deutschen Albumcharts katapultierte, liefern ein eindrucksvolles Zeugnis davon ab, wie souverän Blind Guardian in der Lage sind, ihren anspruchsvollen und komplexen Heavy Metal einem breiten Publikum auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Auch die Top-Positionen der Albumcharts werden von Blind Guardian regelmäßig blockiert: »Nightfall In Middle-Earth« (1998) – übrigens ein Konzeptalbum und eine Art musikalische Zusammenfassung des Buches „Das Silmarillion“ von Fantasy-Ikone J.R.R. Tolkien („Der Herr der Ringe“) – erreichte in Deutschland Platz Nummer 7 der deutschen Albumcharts und tummelte sich zwei Monate lang in den oberen Regionen. Die beiden letzten Veröffentlichungen »A Night At The Opera« (2002) und »A Twist In The Myth« (2006) belegten sogar die Spitzenpositionen 5 beziehungsweise 4 und etablierten Blind Guardian somit als feste Größe unter den Top-5-Acts. Seine Begeisterung für das Fantasy-Metier lebt das Quartett, das seit 2005 hinter dem Schlagzeug von Frederik Ehmke begleitet wird, auch abseits der Rock’n’Roll-Bühnen aus: 2008 wird für das PC-Game/Rollenspiel „Sacred 2: Fallen Angel“ exklusiv der Track ’Sacred’ komponiert, den die Band im Spiel in Form animierter Figuren auf einer digitalen Bühne darbietet. Im Anschluss daran erhält der Vierer für das gleichnamige Hörspiel den Hörspielpreis für die beste Musik. Nun der nächste Genie-Streich: »At The Edge Of Time«, so der Titel des neuen Werks, setzt einmal mehr den Schwerpunkt auf anspruchsvolle, teils orchestral ausgerichtete Kompositionen, die - ausgestattet mit einer wuchtigen, glasklaren Produktion - fast gänzlich ohne synthetische Klänge auskommen. Das Nennen von Anspieltipps, fällt schwerer denn je. Jeder Track besticht neben der hohen Musikalität und Qualität durch Individualität und Charakter. Sollte man die Eröffnungshymne ’Sacred Worlds’ respektive den Schlussakkord ’Wheel Of Time’ nennen - zwei Kompositionen, bei denen in einzigartiger, bisher noch nicht da gewesener Weise ein klassisches Orchester mit einer Heavy-Metal-Band fusioniert? Oder das von klassischen Piano-Sequenzen eröffnete ’War Of The Thrones’, das zwischen wuchtigen Orchestrierungen und Kürschs expressionistischen Gesängen changiert und dabei den musikalischen Bogen zur britischen Rock-Legende Queen spannt? Das voluminös-elegische ’Road Of No Release’ mit seinen massiven Chören verzückt ebenfalls durch seine innovativ-progressive Auslegung Queen’scher Schule, während ’Valkyries’ Gourmet-Ohrenfutter für Proggies in höchster Vollendung darstellt. Freunde schwerfälliger Heaviness wiederum werden begeistert sein vom effektvoll-bombastisch inszenierten ’Control The Divine’, das die majestätischsten Elemente solcher Rock- und Metal-Koryphäen wie Savatage, Black Sabbath und der Solo-Band des in diesen Tagen leider zu früh verstorbenen Ausnahmesängers Ronnie James Dio in sich vereint. Brachial-Metaller dürften ihre helle Freude haben an dem urwüchsigen ’Tanelorn (Into The Void)’, "A Voice In The Dark" und vor allem an ’Ride Into Obsession’ - einer hyperschnellen und trotzdem swingend-hymnischen Nummer, die dank ihrer 210 Anschläge pro Minute eine Mordsgeschwindigkeit an den Tag legt, die selbst einschlägig bekannte Speed-Metal-Institutionen blass aussehen lässt. Fantasy- und Mittelalter-Folk-Flair versprüht wiederum ’Curse My Name’, das unter anderem von wunderschönen Streicher- und Flöten-Arrangements lebt und schon jetzt in Fachkreisen als Reinkarnation des ’Bard’s Song’ – einem der größten Identifikations-Hits von Blind Guardian – gehandelt wird. „Wir wollen uns mit jedem neuen Album auf der musikalischen Ebene neu definieren“, fasste Frontmann Hansi Kürsch einst das Credo des Quartetts zusammen. Nach den Veröffentlichungen der faszinierenden beiden letzten Meisterwerke »A Night At The Opera« und »A Twist In The Myth« hätte sich kaum ein Kritiker vorstellen können, in welche Sphären der Vierer noch vorstoßen will, geschweige denn mit welchen Mitteln die Krefelder das erreichen wollten. Jetzt werden den Kritikern die Superlative langsam, aber sicher ausgehen…

Trackliste Dauer
1 - Sacred Worlds 9:19
2 - Tanelorn (Into The Void) 5:58
3 - Road Of No Release 6:30
4 - Ride Into Obsession 4:47
5 - Curse My Name 5:49
6 - Valkyries 6:34
7 - Control The Divine 5:25
8 - War Of The Thrones (Piano) 4:55
9 - A Voice In The Dark 5:41
10 - Wheel Of Time 8:56
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