King Of Fools

EDGUY

EDGUY - King Of Fools

Veröffentlicht am: 02.02.2004

Alleine die Art und Weise, wie ein Haufen blutjunger ambitionierter Musiker es aus eigener Kraft von einer Schülerband beinahe in der Anfangsbesetzung zu einem Top-Act mit europaweiten Charterfolgen geschafft hat, sucht ihresgleichen und spricht somit für sich. Da gab es niemals Trendanbiederungen, Trittbrettfahrerei oder künstliche Hypes; die Band war und ist ihr eigener Manager und Produzent. Und dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen hat man sich inzwischen 'klammheimlich' an der internationalen Metal-Speerspitze festgebissen.

Angefangen hat alles im hessischen Fulda in 1992, als die damals vierzehnjährigen Schulfreunde beschlossen, zur Hochzeit des Grunge eine traditionelle Metal-Band zu gründen, um zunächst Songs ihrer Faves Deep Puple, AC/DC, Kiss und Iron Maiden zu covern. Weil das nach kurzer Zeit allerdings langweilig wurde, beschloss man eigene Songs zu schreiben und aufzunehmen, um so an einen Plattenvertrag zu gelangen.
Doch das Unterfangen wollte nicht gleich auf Anhieb gelingen. "Diese Art von Musik wurde damals nicht nur von unseren Schulkollegen und traurigerweise -Kolleginnen belächelt", schmunzelt Frontmann Tobias Sammet heute über die ersten Gehversuche der Band. "Natürlich sahen auch die Plattenfirmen zwischen Nirvana und Pearl Jam keine Chance für eine Band mit Eunuchengesang, zweistimmigen Gitarrenlicks und einer damals untragbaren Portion Lebensfreude auf dem Markt. Naja, die Tatsache dass wir damals musikalisch ziemlich scheiße waren, könnte durchaus auch zum anfänglichen Misserfolg beigetragen haben. Das lustige ist, dass wir inzwischen von sämtlichen Companies, die uns damals belächelten, fette Angebote auf den Tisch bekamen, die wir mit Genugtuung und einem Lächeln auf dem Gesicht 'leider' ablehnen mussten."

Dennoch kam die Wende zum guten: Nach fast fünf Jahren hartnäckiger Arbeit, bzw. Klinkenputzerei bei Plattenfirmen und unzähliger verlorener Nachwuchs-Contests erbarmte sich das damals kleine Label AFM-Records und nahm die jungen Burschen unter Vertrag. Hier veröffentlichte man zwischen 1997 und 2003 fünf Studio-Alben (Kingdom Of Madness 1997, Vain Glory Opera 1998, Theater Of Salvation 1999, Savage Poetry 2000, Mandrake 2001) das Doppel-Live-Album Burning Down The Opera (2003) und die beiden Soloalben des Sängers (Avantasia - the Metal Opera 1 & 2; 2001 & 2002).

Mit jedem neuen Album schafften es EDGUY, die Fangemeinde zu vergrößern. Hierbei waren sicher auch die unzähligen Touren hilfreich, bei der die Band unter Beweis stellen konnte, dass sie einer der unterhaltsamsten Live-Acts überhaupt ist. Wo EDGUY auf die Bühnenbretter steigen, ist gute Laune und kurzweilige Unterhaltung, gepaart mit überzeugender musikalischer Leistung Programm. Davon konnten sich die Fans zuletzt auf der ersten weltweiten Headliner-Tour zum Chartalbum MANDRAKE (diverse Top-20 Platzierungen Europaweit) überzeugen. Besagte Tour überzeugte auch die letzten Zweifler vom oft so unterschätzten Status der Band, lief sie doch insgesamt über ein Jahr durch 23 Länder auf vier Kontinenten (Europa, Australien, Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika) und ließ die Band vielerorts ausverkaufte Hallen vorfinden.

Ja, EDGUY sind schon ein Phänomen, ein sehr sympathisches noch dazu. Und auch wenn die Band aufgrund ihres oft etwas schrägen Auftretens in der Öffentlichkeit von einigen verschmäht oder gar gehasst wird, eines kann man ihnen nicht absprechen: Sie bringen Farbe in die zunehmend berechenbare und oft tot gesagte Szene. Und das gelingt ihnen auf ganzer Linie: Mit starken Songs, viel Humor, einem der chaotischsten, aber zweifelsohne charismatischsten Frontmänner überhaupt und dieser riesigen Portion Frische und Ausstrahlung, die die gesamte Konkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes "alt" aussehen lässt.

Erste Pressestimmen bestätigten schon das, was man vielleicht hoffen, aber nicht zwangsläufig erwarten konnte: Sie haben es geschafft, auf ihr Hitalbum "Mandrake" in sämtlichen Belangen einen draufzusetzen. Es ist keine leere Phrase, wenn man feststellt, dass das neue Material stärker und ausgereifter klingt, als alles, was die Band bisher abgeliefert hat. Dabei hat man auch stilistisch die Grenzen noch weiter ausgelotet, ohne sich dabei auf befremdlich wirkendes Terrain zu begeben.
Ob eingängige Hymnen wie "King Of Fools", harte Brecher der Marke "Mysteria" oder dem von Stakkato-Riffs dominierten Gitarrenmonster "Under The Moon", alles klingt unverkennbar nach Edguy. Selbst der Twisted Sister mäßige Mitgröhler "Lavatory Love Machine" ist spätestens im Refrain als eindeutige Edguy-Spaß-Hymne identifiziert und zeigt einmal mehr die unberechenbare Vielseitigkeit der fünf Virtuosen. Darüberhinaus hat man keine Kosten und Mühen gescheut und für einige Songs das Deutsche Filmorchester Babelsberg für Gastbeiträge verpflichtet, welches u.a. durch seine Zusammenarbeit mit Rammstein, den Scorpions oder Celine Dion den meisten ein Begriff sein sollte.

Die 5-Track-EP "King Of Fools" beinhaltet vier erstklassige Non-Album tracks, ist also wirklich absolut das Geld wert, kein zweitklassiges Bonus-Material. Und das Album "HELLFIRE CLUB" bewies einmal mehr, warum die oft als "Kaspertruppe" belächelten Hessen zu Recht auf dem Weg nach ganz oben sind und warum die Fans die Band seit Jahren auf Händen tragen. Weil sie zum einen trotz ihres Ausnahmestatus' nämlich nie den Boden unter den Füssen verloren haben und unglaublich Fan-nah sind. Und weil sie zum anderen eine der wenigen, oder vielleicht sogar die einzige Band einer Generation sind, die diese Art von Metal für die jüngeren Fans in sämtlichen Belangen auf allerhöchstem Niveau authentisch, eigenständig und spannend ins neue Jahrtausend gerettet haben.

Tracklist Dauer
1 - King Of Fools 3:30
2 - New Age Messiah 5:58
3 - The Savage Union 4:14
4 - Holy Water 4:13
5 - Life And Times Of A Bonus Track 3:23