Have A Nice Trip

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

DIE APOKALYPTISCHEN REITER - Have A Nice Trip

Veröffentlicht am: 17.03.2003

DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind schon ein durchgeknallter Haufen. Mal ehrlich, hat die Band früher nicht jeder von uns schon einmal milde belächelt? Was zum Teufel machen die eigentlich? Und wie sehen die eigentlich aus. Dürfen die das überhaupt? Das Raster, wo das ostdeutsche Quartett reinpassen soll, muss vermutlich noch erfunden werden. Fakt ist, seit 1995, dem Bandgründungsjahr, hat sich so einiges getan. Wurden früher noch Wohnzimmer und Hinterhöfe in Schutt und Asche gelegt, dürfen es mittlerweile auch schon mal Hauptbühnen von Mega-Metal-Festivals sein. Doch das Rezept ist unverändert. Wilde, ungezügelte Leidenschaft, Liebe und Hingabe für den eigenen Sound, Aufopferung für die Fans. Spätestens seit dem Kult-Album "All You Need Is Love" sind die Reiter in aller Munde. Und schwimmen auf einer Woge der Begeisterung. Nun ist die Zeit endlich reif für neues Futter. Der Albumtitel ist Programm und Aufforderung zugleich:

HAVE A NICE TRIP

Das musikalische Spektrum, welches "Have A Nice Trip" für sich in Anspruch nimmt, ist wesentlich größer und breitgefächerter, als auf "All You Need Is Love", welches die Band vornehmlich von ihrer düstersten, ja zerstörerischsten Seite zeigte. Texte voller Verzweiflung, Wut und Enttäuschung, aber auch voller Hoffnung und Kraft, deren musikalische Umsetzung exakt darauf zugeschnitten war. Dazu Hauptkomponist und Sänger Fuchs: »Ich kann nur das musikalisch umsetzen und reflektieren, was in mir passiert« Schon beim ersten Durchlauf von "Have A Nice Trip" wird klar, dass die Reiter mittlerweile ein helleres, bisweilen sogar positives Bild von sich selbst und der Welt zeichnen. Ist es das Licht selbst, was durch die hässliche Fratze der Finsternis scheint? Fast 100 Konzerte bestritt die Band seit "All You Need Is Love" in ganz Europa. Trotzdem suchten die Bandmitglieder immer wieder bewusst einen Ausgleich zum schnelllebigen, hektischen Vegetieren in der Industriehölle. Sie verstreuten sich rund um den Globus, sei es nun Australien, Mexiko, Frankreich oder Thailand. Gerade diese ausgedehnten Reisen haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen, völlig neue Optionen und Türen geöffnet. Vielleicht hat es auch nur Blickwinkel verändert, wer weiß? Dazu Bassist/Schreihals Volk-Man: »Man muss mal völlig abschalten, mal richtig weg sein. Dann werden die Dinge plötzlich klarer und man merkt, was wirklich wichtig ist. Wir spüren in uns unbändige Energie und Lebensfreude und es macht riesigen Spaß, dies in die Welt hinauszuschreien.«

In diese Welt? Dieses perfide Monstrum voller Narren? Keine Angst liebe Freunde, die Reiter haben keinen Frieden mit der Welt geschlossen. Schon der Opener 'Und vier Reiter stehen bereit' zuckt wie ein Blitz vom Himmel herab. Was mag in der Köpfen der Reiter vorgehen, wenn sie ihren bunten Textreigen gerade mit 'Ich kenne nichts erbärmlicheres als euch Menschen, Schöpfungskrone – zur Produktion verdammt' beginnen? Aber deswegen unentwegt Trübsal blasen und grimmig in die Gegend starren ist keine Lösung. Auch im Angesicht des Untergangs darf und muss ein Lächeln gestattet sein, auch wenn es bisweilen zu Eis gefriert. Ob's indes an den großzügigen Wodka-Spenden aus Finnland und Russland liegt, das die Reiter ihr Liebe an rabiaten Rotz-Rock Nummern gefunden haben? Gleich mehrere intensive Stampfer ('Ride On', 'Du kleiner Wicht') haben den Weg auf diese Scheibe gefunden. Umso zerbrechlicher wirken im Kontrast dazu besinnliche Stücke wie 'Terra Nola' oder 'Das Paradies', mit welchen die Band Schubladendenkern sicherlich das Leben schwer machen wird. Von Stücken wie 'Fatima' oder 'Baila Conmígo' ganz zu schweigen.

Genregrenzen und Regeln hatten und haben für die Band nie eine Rolle gespielt. Die Suche nach einer Ecke innerhalb eines Kreises ist müßig. Denn wieso die Energien damit verschwenden. Der Puls der Band kann sowohl mit Kopf, Herz oder dem Arsch gefühlt werden. Ist es wirklich der Ritt auf dem Vulkan oder vielmehr nur eine ebensolche rasante Berg- und Talfahrt, wie es das Leben täglich vormacht? DIE APOKALYPTISCHEN REITER haben nicht vor kürzer zu treten oder gar stehen zu bleiben. Ganz im Gegenteil. Mit ihrer frischen, unvergleichlichen Art haben sie es in sieben Jahren geschafft, sich innerhalb einer überfüllten Szene ein eigenes Freigehege zu erschaffen. Hier können sie toben und machen was sie wollen. Bitterernst, verrückt, abgedreht, einzigartig, diabolisch grinsend. Was ist nicht schon alles über die vier Maniacs geschrieben worden. "Have A Nice Trip" ist eine musikalische Frischzellen-Kur, Futter für Geist und Seele. Die vermutlich wichtigste und mutigste Scheibe, die die Band bis 2003 ablieferte. Der Weg ist das Ziel. In dem Sinne – habt eine gute Reise!

Tracklist Dauer
1 - Vier Reiter stehen bereit 3:42
2 - Warum 3:36
3 - Sehnsucht 4:10
4 - Terra Nola 4:48
5 - We Will Never Die 3:49
6 - Baila Conmígo 3:51
7 - Ride On 2:47
8 - Du Kleiner Wicht 2:46
9 - Komm 3:11
10 - Das Paradies 5:00
11 - Fatima 3:56
12 - Wo die Geister ganz still sterben 4:13
13 - Seid Willkommen 4:14
14 - Master Of The Wind (Bonus Track) 5:43