Eonian

DIMMU BORGIR

DIMMU BORGIR - Eonian

Veröffentlicht am: 04.05.2018

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Etwas Dunkles lauert hinter den Ecken dieses Frühlings, der Geist, der stets verneint, eine Kraft, die Raum und Zeit aushebelt. Sieben Jahre war Grabesstille eingekehrt in der Klanggruft der größten Black Metal-Schmiede des Planeten und Kräfte wurden gesammelt, um nun pünktlich zum 25-jährigen Bandjubiläum mit einem Teufelswerk zurückzukehren, dass im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos ist - »Eonian«.

Gestartet im Herzen der norwegischen Black Metal-Szene im Jahr 1993, brachen DIMMU BORGIR schnell von den Fesseln des Genres los, und wagten das Zusammenspiel von traditionellem Schwarzklang mit opulenten symphonischen Elementen. Schon bald entwickelten sie sich damit zu Pionieren und schmiedeten bahnbrechende Alben wie »Enthrone Darkness Triumphant« (1997), »Spiritual Black Dimensions« (1999), oder das 2003er »Death Cult Armageddon«, bespielten die komplette Welt auf Headlinetouren und gelten nach neun Longplayern bis heute als größter Titan ihres Genres. Über sieben Jahre nach ihrem letzten Manifest »Abrahadabra« kehren sie nun endlich zurück, um mit »Eonian« einen monumentalen Riss ins Raum-Zeit-Kontinuum zu schlagen.

Musikalisch geht die Band mit dieser Platte in ihre absoluten Extreme – so ist der Black Metal-Anteil diesmal noch rauer und finsterer als je zuvor, doch auch die epischen, orchestralen Momente werden von DIMMU BORGIR an ihre absoluten Grenzen getrieben. Ein organischerer Sound für ihr eiskaltes Schwarzmetallgewand war der Band diesmal jedoch wichtiger denn je, weshalb Jens Bogren in den Fascination Street Studios für das Engineering sorgte. Das detailverliebte Coverartwork stammt aus der Feder von Zbigniew M. Bielak.

Der Songwriter-Kern von DIMMU BORGIR besteht weiterhin aus der infernalen Stimmkraft Shagrath sowie den Saitenhexern Silenoz und Galder, doch auch andere vertraute Gesichter stießen im Studio dazu – so sind Schlagzeuger Daray und Keyboarder Gerlioz ebenfalls weiterhin an Bord und auch der norwegische Jazzkomponist Gaute Storaas nahm sich erneut den Chorarrangements an, die die Band gemeinsam mit dem Schola Cantrum Chor umsetzte.

Thematisch folgt das zehnte Werk der Norweger einem philosophischen Konzept, das sich mit der Illusion von Zeit und dem Lebenskonzept des Luziferianismus auseinandersetzt:

"Zeit kann nicht definiert werden, wenn wir uns dem Konstrukt nicht nähern, an das wir gewöhnt sind – sie ist eine reine Illusion", erklärt Gitarrist Silenoz. "Es gibt nur ein ‚ewiges Jetzt‘, auf das der Albumtitel hindeutet. Wenn wir zwischen den sichtbaren und unsichtbaren Welten reisen, hört die Wahrnehmung der Zeit auf zu existieren, sie hat keinerlei Funktion mehr. Unsere mentale Energie ist die Fackel und unser Kompass auf dieser Reise – und wenn wir unseren eigenen Schleier der Wahrnehmung vor unserem Auge zerreißen, sind wir in der Lage, alles hinter uns zu lassen und in neue Welten vorzudringen."

Konkreter möchte Silenoz nicht werden und so waren die Alben von DIMMU BORGIR seit jeher ein Feld für eigene Interpretation und ein dunkler Raum, in dem jeder Hörer etwas anderes zu finden glaubt. “»Eonian« spielt auf die Illusion der Zeit an, alles was ist und stets sein wird. Außerdem steht es für das 25-jährige Bandjubiläum, sodass wir mit diesem Album unserer eigenen Vergangenheit Tribut zollen und ebenso auch der allgemeinen norwegischen Black Metal-Geschichte”, fügt Shagrath hinzu.

Seit ihrem Debütalbum »For All Tid« von 1994 veröffentlichten DIMMU BORGIR in regelmäßig kurzen Abständen ihre neuen episch geladenen Werke, doch diesmal konnten die Norweger ihre Bestie der Kreativität nicht so rasch bändigen und somit verwebten die drei Bandköpfe ihre Ideen nach und nach miteinander:

"Einige der Songs auf diesem Album wurden 2012 geschrieben. Wir haben alle unsere eigenen Pre-Production-Studios und schreiben demnach separat, anfangs ohne zu viel Kommunikation untereinander. Über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren sammeln wir unsere Ideen und kommen dann zusammen und versuchen gemeinsam, das Beste aus dem Material herauszuholen. Manchmal kann das ziemlich schwierig sein, weil wir unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen haben - aber das macht es auch für den Hörer interessanter, da wir Musik machen wollen, die einem das Gefühl gibt, nicht zu wissen, was hinter der nächsten Ecke lauert."
Silenoz stimmt zu: "Die größte Herausforderung besteht darin, das innere Biest zurückzuhalten. Manchmal ist man von seinen Ideen so getrieben, dass man leicht vergisst, wie man sich dem Untier nähern muss, ohne es zu wecken, denn es könnte ausbrechen und vollkommen unkontrolliert toben. Eigentlich ist es sinnlos zu glauben, dass man Kunst jemals kontrollieren könnte... Es ist, als würde man mit einem Seil um die Hüfte in die Höhle eines Löwen gehen, für den Fall, dass man schnell herausgezogen werden muss. Da wir auch als Produzenten für unser eigenes Material fungieren, müssen wir uns oft zwingen, unser Material von außen zu betrachten. Dies ist ein weiterer herausfordernder Teil des Songwriting-Prozesses, weil du erst so viel Herzblut von dir einfließen lässt und dann anfangen musst, Dinge radikal wegzuhacken. Loslassen kann manchmal sehr hart sein, aber nur wenn wir aus uns selbst heraustreten und direkt in das Maul des Biestes starren, können wir herausfinden, womit wir es als nächstes füttern müssen."

Somit finden sich auf »Eonian« sowohl klassische Black Metal-Invasionen wie ˈLightbringerˈ, doch auch hochsymphonisch geladene Hymnen wie ˈInterdimensional Summitˈ und das experimentelle, mit folkloristischen Elementen angehauchte ˈCouncil Of Wolves And Snakesˈ, das einen Blick weit über den Tellerrand wagt und der Band besonders am Herzen liegt – und erneut zeigt, dass es ‚keine Formel, kein absolutes Maß‘ für eine Band wie DIMMU BORGIR gibt, sondern der Weg sie manchmal in Richtungen führt, die sie selbst niemals erwartet hätten. So irritierte die Truppe beispielweise einige militante Black Metal-Elitisten, als sie zu ihrem vorherigen Album mit weiß/grauen Kostümen auftrat. Dies ist bei »Eonian« zwar nicht der Fall, trotzdem halten die Norweger immer neue Überraschungen im petto, um sich und die Fans zu fordern:

"Wir sind definitiv keine Band, die blind Regeln folgt, und wenn es welche gibt, dann sind wir gekommen, um sie zu brechen - garantiert. Es ist nicht unser Ziel per se, aber es liegt uns einfach im Blut. Wir wussten, dass die weiß/grauen Kostüme ein paar irritierte Blicke hervorrufen würden, aber letztendlich ist es egal, was wir tun oder nicht tun – wir ernten immer irritierte Blicke", gesteht Silenoz und Shagrath fügt hinzu: "Das Album fühlt sich für uns an wie eine Wiedergeburt, aber auch wie eine logische Fortsetzung. Unsere Musik fließt ganz natürlich aus unseren Fingern. Wir sitzen nicht im Kreis und denken darüber nach, was wir als nächstes tun könnten - es muss spontan kommen und authentisch dem entsprechen, was zu dieser Zeit in deinem Kopf ist und deinen Vorstellungen entspricht. Jede unserer Veröffentlichungen bisher war immer mit einem bestimmten Zeitraum unseres Lebens verbunden."

Nachdem im Frühjahr 2017 bereits die DVD »Forces Of The Northern Night« veröffentlicht worden war und einen phänomenalen Rückblick auf die Shows lieferte, die DIMMU BORGIR damals mit riesigem Orchester und Chor performt hatten, kommt nun die Zeit, in der die Band endlich die Bühnen zurückerobert. Erste Headlineslots auf Europas Großfestivals wie unter anderem Wacken und Hellfest sind bereits bestätigt, für den Herbst werden aktuell weitere Livepläne geschmiedet, um den Fans zu beweisen, dass die Lichtbringer zurückgekehrt sind, um zu bleiben:

"Natürlich interessieren wir uns auch für die Meinung unserer Fans und wenn eine Band sagt, dass sie das nicht tut, dann lügt sie. Wir sind definitiv bereit, hart zu arbeiten, um die ‚Zweifler‘ und die ‚unzufriedenen Nörgler‘ davon zu überzeugen, dass wir mit voller Kraft zurück sind. Eine neue Generation von Fans und Zuhörern, die aus einer anderen musikalischen Ära kommt als wir, ist jetzt da draußen, und die meisten von ihnen sind nicht gerade schüchtern, wenn es darum geht, dem Künstler ihre Meinung zu präsentieren. Doch auch wir sind nicht schüchtern und jetzt ist es an der Zeit, sie hören zu lassen, wie DIMMU BORGIR anno 2018 klingt.“