Vignette

LETTERS FROM THE COLONY

LETTERS FROM THE COLONY - Vignette

Veröffentlicht am: 16.02.2018

In den tiefen Wäldern von Zentralschweden, am Ufer des Dalecarlia Flusses, steht ein Stahlwerk, um das eine Stadt erbaut wurde. Dort begraben liegt Borlänge, versteckt zwischen den vielen Hügeln, die die Landschaft charakterisieren. Die Winter dort sind hart, und die Sommer schnell vergangen. Irgendwo jenseits dieser Hügel braut sich jedoch etwas Verheißungsvolles zusammen, ein Gedanke in den ruhelosen Köpfen einiger Jungen, die in dieser Dystopie aufwuchsen. Denn seit langem dient die Musik als Medium, das die Kluft zwischen einer ereignislosen Kleinstadt und der lebendigen Welt überbrückt. Es ist kein Wunder, dass die Region im Laufe der Jahre so viele erfolgreiche musikalische Talente hervorbrachte, denn leider gibt es nicht viel anderes, was man dort tun kann, um seine Zeit zu vertreiben. In den billigen Proberäumen eines Kulturzentrums fanden die fünf Jungen Schweden zusammen und von dort begann ihre Geschichte im Jahr 2010.

Doch von kleinen Brötchen zur Beginn ihrer Karriere konnte bei LETTERS FROM THE COLONY niemals die Rede sein. Denn für ihr Debüt haben die Schweden sich Jens Bogren (DIMMU BORGIR, OPETH, PARADISE LOST) als Produzenten sichern können und Peter Tägtgren nicht davor zurückschreckte, eine dicke Empfehlung für die Band auszusprechen.

Ein hochanspruchsvolles Konstrukt aus Math Metal, Deathwalzen und komplexen Shoegaze-Momenten – LETTERS FROM THE COLONY erschaffen mehr als nur Musik. Denn die jungen Progressive Death Metal Architekten aus dem schwedischen Borlänge stricken Songs, die sie bereits mit ihrem Debütalbum in die Liga von Bands wie MESHUGGAH, OPETH oder GOJIRA katapultieren können. Sie bilden die Schnittmenge zwischen Perfektion und Wahnsinn, Experimentierfreudigkeit und virtuoser Instrumentenbeherrschung, liefern hochkomplexe Songs voller Brachialität, progressiven Strukturen und scheuen auch nicht davor zurück, mit der Gitarre Saxophon zu spielen oder Hirsche zu samplen. Richtig – Hirsche.

"Eine Vignette ist etwas, das eine Sache umgibt oder die schrittweise Verdunklung eines Fotos an den Rändern. Ebenso wie eine kurze Szene in einem Stück oder einem Film. Die Metapher, mit der wir arbeiten, ist mehrdeutig, kann aber als eine Form des sozialen Kommentars in Bezug auf den Zustand der Umwelt angesehen werden. Wir leben so, als hätten wir die Ressourcen von mehreren Planeten zur Verfügung, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die moderne Gesellschaft zusammenbricht. Die Natur - die Vignette um uns herum - wird sich langsam an uns heranschleichen, wie eine düstere Vignette, und uns irgendwann vollständig verschlingen. Es ist keine Belehrung mit dem Zeigefinger, lediglich eine nihilistische Beobachtung. Unsere Zeit auf der Erde ist nur eine kurze Szene im Spiel der Evolution; ein winziger Fleck auf der Zeitachse des Universums. Die Leute sind zu sehr damit beschäftigt, Karriereleitern hinauf zu klettern und Instagram-Likes zu sammeln, anstatt über die Tatsache nachzudenken, dass wir eines Tages nicht mehr hier sein werden und ein anderes Wesen unseren Platz einnimmt. Das ist die Symbolik des Hirsches", erklärt Sänger Alexander Backlund das textliche Konzept des Albums.

Jenes Tier wurde auch zum Hauptaugenmerk auf dem überraschend bunten Artwork im beinah psychedelischen Vintage-Style, das das wahnwitzige Facettenreichtum des Quintetts zeigt und LETTERS FROM THE COLONY in eine komplett neue Nische des technisch anspruchsvollen Extreme Metal treibt. Statt auf düstere Farben oder furchteinflößende Motive zu setzen, baut die Band sowohl bei ihren Promofotos als auch dem CD Artwork auf auffällige, alternative Stile:

“Als ich das Coverartwork mit dem Hirsch zum ersten Mal meinen Bandkollegen zeigte, war nicht jeder von ihnen begeistert”, lacht Sebastian. “Doch ich muss oftmals für meine Ideen kämpfen und meist sehen die anderen dann, worauf ich hinaus möchte und weshalb ich gerade diese spezielle Vision für etwas hatte. Es war sehr wichtig für mich, auch in unserem Artwork widerzuspiegeln, dass wir keine gewöhnliche Technical Metal Band aus Schweden sind und dass wir niemanden kopieren wollen.“ Auch mit dem Titel stoßen sie in die Richtung der wilden Natur, die es nicht zu unterschätzen gilt:

„Eine Vignette ist ein dunkler Schatten, der ein Objekt umhüllt, oder etwas, das einen Gegenstand umschließt. Unsere ‚Vignette’ sind in diesem Fall die Tiere, die unsere Welt der Menschen umgeben. Es lässt sich verstehen als Rückschlag der Natur gegen die respektlose Menschheit, eine Rückkehr zu der Welt in der es keine Menschen gibt, die die Erde und die Umwelt zerstören.“

Nach einigen Line-Up-Wechseln haben LETTERS FROM THE COLONY nun zu einer stabilen Konstellation gefunden, die bereit ist, die internationalen Bühnen zu erklimmen. Besonders bemerkenswert war der plötzliche Einstieg von Sänger Alexander Backlund, der bereits seit mehreren Jahren mit der Band als Produzent gearbeitet hatte und eigentlich erst als Notlösung für seinen Vorgänger einspringen musste, als die Band plötzlich ohne Frontstimme zurückgelassen wurde. Ohne jemals mit den anderen Musikern geprobt zu haben, performte er eine derart legendäre Show in Stockholm, dass LETTERS FROM THE COLONY einstimmig beschlossen, den Herrn als festes Mitglied in ihre Reihen aufzunehmen.

„Die hohe Komplexität der Songs macht es schwierig, Leute zu finden, die in der Lage sind, die Tracks zu spielen und deshalb hatten wir in den ersten Jahren unseres Bestehens einige Line-Up-Wechsel. Aber man braucht ein Team, auf das man sich verlassen kann. Da ich der Hauptsongwriter bin und die Riffs schreibe, fällt es mir leicht, sie im Kopf zu behalten und zu spielen, allerdings weiß ich, wie schwierig es manchmal für die anderen ist. Deshalb programmiere ich viel auf meinem Computer ein und spiele es den anderen vor, damit sie meine durchgeknallten Ideen verstehen, denn manche Dinge mit Worten zu beschreiben ist fast unmöglich. Aber wir nehmen stets unsere Zeit, um gemeinsam zu proben – denn selbst wenn man einen Song fehlerfrei spielen kann, will man ja nicht aussehen wie ein Roboter. Man braucht ein wenig Swing – es sollte leicht aussehen. Und wir wollten niemals unseren Standard herunterdrehen, es war immer ein Alles-oder-Nichts-Prinzip.“

Somit kennen LETTERS FROM THE COLONY keine Grenzen. Und das werden sie sowohl auf Platte als auch live beweisen dieses Jahr. Endlich werden sie die Welt, die hinter den Hügeln von Borlänge wartet, selbst zu Gesicht bekommen – ein Luxus, den nur wenige genießen können, die aus den tiefen Wäldern von Dalecarlia stammen.

Tracklist Dauer
1 - Galax 8:20
2 - Erasing Contrast 4:49
3 - The Final Warning 5:57
4 - This Creature Will Haunt Us Forever 1:38
5 - Cataclysm 4:59
6 - Terminus 6:53
7 - Glass Palaces 6:37
8 - Sunwise 4:14
9 - Vignette 12:12