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ENSLAVED

ENSLAVED - E

Veröffentlicht am: 13.10.2017

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“Wir trennen uns von der Vergangenheit. 2016 war das 25-jährige Bandjubiläum von ENSLAVED und das stellte einen wirklich wichtigen Punkt für uns und die Fans dar. Aber jetzt steuern wir neue Horizonte an…“

1991 in Bergen, Norwegen gegründet, hatten ENSLAVED von Anfang an den Eifer zur stetigen Weiterentwicklung in ihren Augen. Obwohl sie aus der aufblühenden norwegischen Black Metal-Szene der frühen 90er hervorgingen, zeigten Gitarrist Ivar Bjørnson und Sänger/Bassist Grutle Kjellson einen inbrünstig eigentümlichen Ansatz dabei, extreme Musik zu machen. Durch die Vermeidung des vorsätzlichen Konservatismus ihrer Kollegen und einer Hinwendung zu einem weltoffenen Geist wuchs der Ruf von ENSLAVED schnell heran mit der Veröffentlichung ihrer ersten epischen Alben wie dem Debüt »Vikingligr Veldi« oder seinem scharfen Follow-Up »Frost« (beide 1994). Zur Zeit der späten 90er hatte sich die Band schließlich in ein wildes und abenteuerlustiges Biest verwandelt, das seinen Wurzeln treu bleibt, aber sich dennoch die grenzenlosen Möglichkeiten der Musik zunutze macht.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden ENSLAVED bereits als unbezwingbare Livekraft geschätzt, die ihre errungenen Muskeln mit dem 2003er »Below The Lights« und seinem bahnbrechenden Nachfolger »Isa« (2004) spielen ließ. Bergens Vorreiter nahmen immer weiter Fahrt auf mit Alben, die so vielfältig und herausfordernd waren wie »Vertebrae« und das 2010er Ungetüm »Axioma Ethica Odini«, das nur erneut die Vielseitigkeit und den avantgardistischen Geist der Band weiter unterstrich.

2015 veröffentlichten ENSLAVED dann ihr 13. Studioalbum, »In Times«, das eine Tour-De-Force von hypnotischer Prog-Intensität und scharfem, geschwärztem Pomp darstellte, sowie der künstlerischen Perfektion nahekam, mit der ENSLAVED ihr 25-jähriges Jubiläum einläuteten. Während ihrer Tour anlässlich dieses großen Festes erforschte die Band nicht nur alle Schatten und versteckten Ecken ihres kolossalen Songkatalogs, sondern öffnete dabei auch das Tor zu etwas ganz Neuem, wie Ivar sich heute erinnert:

„»In Times« fühlte sich wie ein großer Schritt für uns an. Wir wandelten immer weiter auf den Progspuren, die wir bereits bei den vorherigen Alben angeschnitten hatten, doch gleichzeitig bedienten wir uns an den dunklen Ecken unserer Anfänge”, erklärt er. “Als »In Times« fertiggestellt war, fühlte es sich wie ein Endkapitel an, in dem wir noch einmal alt und neu, experimentell und konservativ miteinander verbanden. Als wir also danach begannen, an dem neuen Album zu arbeiten, waren wir völlig frei und hatten nicht den Eindruck, dass wir irgendetwas Spezielles tun mussten, sodass wir völlige kreative Freiheit hatten.“

Obwohl sie nur selten Luft holen während ihres hektischen Tourlebens und den aktiven Nebenprojekten, gelang es Ivar und seinen Kameraden zügig, das 14. Studioalbum mit dem eleganten Titel »E« zu erschaffen. Geboren aus einem Schwall der Kreativität, die nach Ende der US-Tour 2016 brodelte, zeigen ENSLAVED sich nun in einem Gewand der Wiedergeburt und voller neuer Energie:

"All der Trubel um die Herstellung dieses Albums, die umfangreiche Tour, die Arbeit an anderen Projekten, und die Tatsache mittlerweile Vater zu sein, hat alles so schwierig gemacht“, lacht Ivar. "All das sorgte dafür, dass ich die wenigen Momente, in denen ich Zeit hatte Musik zu schreiben, als regelrecht heilig ansah. Die erste Chance kam im April letzten Jahres in Brooklyn. Wegen meinen Flugtickets musste ich nach einer Show zwei Tage länger dort bleiben. Ich hatte nicht viel zu tun, also habe ich meinen Laptop und meine Gitarre mitgebracht. Mit zwei vollen Tagen ohne Verpflichtungen eröffnete sich ein ganz neues Universum für mich und als ich allein in dieser Wohnung saß, komponierte ich den dritten Track ‘Sacred Horse‘. Es war die intensivste Songwritingphase, die ich je hatte, es existierte nichts anderes mehr. Es war, wie wenn Tom Waits singt: ‘What’s he building in there?’‘. Du hockst in dieser kleinen Hütte im Garten, machst seltsame Sachen und gehst nur gelegentlich mal zum Rauchen raus.“

Ein wichtiger Faktor für den neuen Kreativitätsfluss im Leben der Band ist wohl auch der Einstieg ihres neuen Keyboarders Håkon Vinje, der den ausgeschiedenen Herbrand Larsen ersetzt. Einen Ersatz für solch einen langjährigen Kollegen zu finden, war natürlich keine leichte Aufgabe, aber Ivar erinnert sich, wie der Zufall ihm in die Karten spielte, als sie sich auf die Suche nach einem neuen Mitmusiker machten:

“Wir spielten unsere letzte Show am 16. Dezember und als Support hatten wir diese kleine Band aus Bergen dabei mit Namen SEVEN IMPALE. Wir sahen uns die Show an und uns gefiel wirklich dieser Keyboarder, der wie verrückt auf der Bühne abging, sein Mellotron spielte und alles gab. Wir überlegten schon ‚Das könnte vielleicht ein guter Typ für uns sein…’, aber natürlich wollten wir ihn nicht aus seiner Band reißen. Trotzdem sprachen wir nach der Show mit ihm und er sagte, dass er auf der Suche nach einer neuen Verpflichtung sei, da sein Sänger wegziehen und die Band verlassen würde. Ich dachte nur ‚Das kann doch nur ein Witz sein!‘ – doch nein, war es nicht. Es brauchte uns also volle 16 Sekunden, um einen neuen Keyboarder zu finden. Daraufhin erkundigten wir uns nach seinem musikalischen Hintergrund und er erzählte, dass er als Kind seiner Familie stets erzählt hatte, dass er mal Jon Lord werden will, wenn er groß ist. Und somit war die Sache in trockenen Tüchern. Das Universum war an diesem Tag definitiv auf unserer Seite.“

Als Album voller Offenbarungsmomente, Dynamik und majestätischer und doch befremdlicher Atmosphäre, zeigt »E« ein wiedergeborenes ENSLAVED-Line-Up mit neuen Songs, die die Band in ein noch nie dagewesenes Territorium hieven. Von den grandiosen Unwetter-Riffs des 11-minütigen Openers 'Storm Son' bis hin zur wilden, psychedelischen Erfüllung von 'Sacred Horse' und dem saxophongeladenen Shoegaze-Avantgardeschlag des Finishers 'Hiindsiight' – mit diesem Album beweisen ENSLAVED ihre Furchtlosigkeit und ihren Erfindungsreichtum. Und auch das Konzept bringt einen neuen Ansatz mit sich: Während vorherige Alben sich eher auf Individualität und Insolation konzentrierten, bietet »E« nun eine ganz neue Perspektive.

"Es ist ein spürbar positives Album. Es dreht sich viel um Dankbarkeit und konstruktive Herangehensweise an die Dinge, über die wir schon zuvor geschrieben haben", erklärt Ivar. "Unsere vorherigen Scheiben drehten sich hauptsächlich um extremen Individualismus und das Sprengen aller Ketten der Gesellschaft, um seinen eigenen Weg in der Welt zu finden. »Isa« und »Axioma Ethica Odini« waren hierfür ganz besonders relevant. Dieses Album ist wiederum eine Reaktion darauf: Es geht um die Zusammenschließungen und Gemeinsamkeiten, die für die Lebenserfahrung und Entwicklung von Menschen so wichtig sind. Ebenso wie die Partnerschaft zwischen Mensch und Natur.“

Nach 14 Alben und 26 Jahren Bandkarriere verliert die Band trotzdem weder an Durchschlagkraft noch an magischem Glanz. Erneut entwickeln sich ENSLAVED vor unseren Augen und Ohren weiter. Doch diesmal ist selbst das Himmelszelt kein Hindernis. Alles ist offen. Stärker als je zuvor und sich sichtbar guter Gesundheit erfreuend beschwört Ivar nun, dass er noch nie so künstlerisch erfüllt war – und das Beste kommt erst noch:

“Es ist beinah wie der Anfang eines guten Witzes… das schwierige 14. Album!”, lacht er. “Die Stimmung, die bei uns herrscht, ist grandios und inspirierend. Die Menschen, mit denen wir arbeiten, die Leute, die unsere Alben kaufen, es scheint für jeden von ihnen ebenfalls Sinn zu ergeben, dass wir einen Neubeginn starten. Es ist ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Wir können mit diesem Album tun, was immer wir wollen und auch danach wieder etwas völlig anderes riskieren.“

Tracklist Dauer
1 - Storm Son 10:54
2 - The River's Mouth 5:12
3 - Sacred Horse 8:12
4 - Axis Of The Worlds 7:49
5 - Feathers Of Eolh 8:06
6 - Hiindsiight 9:32
7 - Djupet (bonus track) 7:39
8 - What Else Is There? (bonus track) 4:44
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