Blood

THEN COMES SILENCE

THEN COMES SILENCE - Blood

Veröffentlicht am: 20.10.2017

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Post Punk ist tot. Aber bevor jetzt gleich alle ihre JOY DIVISION-Jutebeutel wegschmeißen, muss gesagt werden: Das ist auch gut so! Post Punk sollte nie am Leben sein, war nie dazu bestimmt, Ausdruck einer gewissen Lebendigkeit zu sein. Post Punk war, ist und bleibt der Blick in die Leere, der Widerhall einer Welt am Abgrund, die schon morgen nicht mehr dieselbe sein könnte. In den Achtzigern wussten das versehrte Grenzgänger wie Curtis, Coleman und Smith, heute ist es an Bands wie THEN COMES SILENCE, dieses Gefühl eines ungewissen Morgens in Klang zu verwandeln.

Es sieht nicht viel besser aus in der Welt als damals in den Achtzigern. Das säbelrasselnde Monster am roten Knopf, das damals Reagan hieß, heißt heute Trump und tweetet atomare Sehnsucht über den digitalen Highway hinaus, die Welt zieht die Mauern hoch und die Köpfe ein, hält kollektiv den Atem an. Dieses erschütterte Atemholen, diese Ruhe vor dem Sturm, ist so etwas wie der Post Punk-Nukleus, damals wie heute, apokalyptisch aktuell. Und wenn eine kontemporäre Band diese Schönheit einer Welt in Trümmern in düster schimmernde, desolate Musik zu kleiden weiß, dann sind es die Stockholmer THEN COMES SILENCE. „Jeder Tag bringt uns näher an den Untergang“, ist sich Oberhaupt Alex Svenson sicher. „Bevor es irgendwann besser wird, muss es erst mal richtig schlimm werden.“ Wer diese These nicht glaubt, dem sei nur mal ein Blick aus dem Fenster geraten.

„Der Rest ist Schweigen.“ Wie schon Hamlet wusste, hat alles irgendwann ein Ende. Ist unwiederbringlich vorüber. Für immer. Auf ihrem vierten Album »Blood« schöpfen THEN COMES SILENCE eine bemerkenswerte Energie, eine Art sehnsüchtiges Manifest an den unausweichlichen Untergang, der das hier alles ja irgendwie doch erst lebenswert macht. Erträglich. 'The Dead Cry For No One' heißt der erste Song programmatisch, ein flirrendes, treibendes Post Punk-Mantra, dass es ja irgendwann auch mal vorbei sein muss mit diesem ganzen Dilemma hier. THEN COMES SILENCE flirten ganz ungeniert mit Tod und Leid, ringen dem Sensenmann ein Lächeln ab und zwingen ihn zum Totenschein im Widerschein eines atomaren Kollaps. Wer hätte gedacht, dass die Apokalypse so verdammt sexy sein kann?

Dass eine Schönheit im Tode liegt, ist nicht erst seit den SISTERS OF MERCY bekannt. Wie die Goth-Ikonen der Achtziger, erzählen auch THEN COMES SILENCE ihre morbiden Schauergeschichten von Tod und Ekstase, von Trauer und Euphorie. „Seit meiner Kindheit fühle ich mich zur Dunkelheit hingezogen“, bekennt Mastermind Svenson. „Ich lebe direkt neben einem Friedhof - für mich der beste Ort für einen Spaziergang, bevor ich einen Song schreibe.“ Feuchte Friedhofserde, Nebel über Gräbern, Raben und Würmer - Symbole wie diese durchströmen auch die Songs von THEN COMES SILENCE. Und sind für Svenson doch mehr als die Insignien eines Genres, das mit KILLING JOKE eine seiner Lieblingsbands hervorgebracht hat. „Ich schrieb gerade die Songs für dieses Album, als mein Vater starb“, offenbart er. „Das drängte die Songs in eine andere Richtung, die mir dabei half, mit dem Verlust fertig zu werden. Er lebte weit entfernt und wir stellten uns nicht gerade vorbildlich an, was unseren Kontakt angeht. Er fehlt mir, aber manchmal“, so der Sänger, „begegne ich ihm in meinen Träumen.“ Der fiebrige, unwirkliche Song 'Good Friday' erzählt von diesen Begegnungen im Grenzland zwischen Leben und Tod - ein meisterhafter Spaziergang durch eine monochrome Welt.

Filme wie »A Clockwork Orange«, Graphic Novels, klassische Musik und die Gemälde der alten Meister halten eine niemals versiegende Inspiration für den Schweden bereit. 2012 gründete er THEN COMES SILENCE und veröffentlichte noch im selben Jahr das selbstbetitelte Debüt. Mit »Blood« sind die Schweden bereit für den ganz großen Sprung. Sie liefern den unwiderstehlichen Soundtrack einer sterbenden Welt, den letzten Abendball vor dem großen Fall, sozusagen. Eine Party, bei der du ruhig mal über die Stränge schlagen kannst. Es ist eh deine letzte. Der Tod, er hängt eben über allem, auch über »Blood«. „Das Album lebt von dem Bewusstsein unserer Vergänglichkeit“, sagt Svenson. „Ich möchte keine Angst mehr vor dem Tod haben und habe mir diesen Wunsch mittlerweile fast erfüllt. Viel zu viele schieben das Thema weg von sich, wollen nichts damit zu tun haben. Das macht sie unglücklich.“ Nicht so THEN COMES SILENCE. Im Gegenteil: Man kann sie förmlich grinsen hören, wenn sie ihre Untergangsoden in die Welt schmettern. Wie viel Kraft sie aus diesen Gedanken ziehen, manifestiert sich auch im Albumtitel: „Blut ist der Ozean, auf dem wir segeln. Es ist in uns allen. Indem ich dem Album diesen Namen gab, wollte ich in mein Innerstes vordringen.“ Der Rest der Welt wird ihn zu gerne dabei begleiten. Denn letztendlich gilt: Der Tod ist auch nur ein weiterer Anfang.

Tracklist Dauer
1 - The Dead Cry For No One 3:45
2 - Flashing Pangs Of Love 2:34
3 - Strange Kicks 3:37
4 - My Bones 3:39
5 - In Leash 3:45
6 - Choose Your Poison 2:54
7 - Good Friday 3:52
8 - The Rest Will Follow 2:46
9 - Magnetic 3:49
10 - Warm Like Blood 3:46
11 - Mercury 5:59
12 - Into Death Alone 3:57
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