Worship Music

ANTHRAX

ANTHRAX - Worship Music

Veröffentlicht am: 16.09.2011

Das Fernsehen hat Seifenopern, die Literaturgeschichte Shakespeare, und Metal – nun, der Heavy Metal hat ANTHRAX, dieses feuerspeiende, Thrash spuckende, vielköpfige Monster von einer Band, welches dich – 30 Jahre nachdem Scott Ian und der damalige Bassist Danny Lilker in einem Biologiebuch jene Krankheit nachschlugen, die später zu ihrem Namen werden sollte – angrinst, dir seinen monströsen Mittelfinger entgegenstreckt und sich schlichtweg weigert, zu sterben. Wer auch nur den Hauch einer Ahnung von Heavy Metal hat, wird von ihrem rasanten Aufstieg in den 80ern neben Slayer, Megadeth und einer kleinen Truppe namens Metallica, die einst in ANTHRAX Studio aufschlug, gehört haben. Du wirst von ihrem alles verändernden 1991er-Crossover-Hit mit Public Enemy auf „Bring The Noise“ gehört und dir Generationen von Bands reingezogen haben, die ihr gesamtes Schaffen ANTHRAX unverkennbar schmetternden Riffs zu verdanken haben. Und in jüngster Vergangenheit dürfte dir ihr nahezu irrationaler, allen noch so großen Widrigkeiten zum Trotz beibehaltener Überlebenswille aufgefallen sein. Dies ist die Geschichte einer der hartnäckigsten, heldenhaftesten Bands der Metal-Geschichte, die an der Schwelle ihrer bis dato größten Veröffentlichung steht. Der Weg war alles andere als leicht. Zeitsprung – 2005: Kurz nach dem begeistert aufgenommenen 2003er-Album „We’ve Come For You All“ - einer allseits gelobten, rundum gelungenen Sensation, eingesungen von John Bush – überraschten ANTHRAX die Metal-Welt mit der Ankündigung, Sänger Joey Belladonna würde für eine Wiedervereinigung im klassischen 80er-Lineup zurückkehren, die die Band nicht nur auf einer Welle headbangender Nostalgie einmal um die ganze Welt tragen, sondern sie auch wieder als Freunde und als die brutale Thrash-Maschine, die der Welt „Among The Living“ brachte, zusammenschweißen sollte. Von der Tour zurückgekehrt mussten ANTHRAX feststellen, dass John Bush in der Zwischenzeit weitergezogen war, und sie einen neuen Sänger für die Aufnahmen zum „We’ve Come For You All“-Nachfolger – dem Album, das später „Worship Music“, ihr zehntes Studioalbum, werden sollte – würden rekrutieren müssen. Die Band arbeitete für eine Weile mit einem Vokalisten, war aber im Jahr 2009 noch immer nicht auf einen langfristig geeigneten Nachfolger am Mikro gestoßen. „Unter keinen Umständen wollte ich zulassen, dass irgendetwas mein Lebenswerk zerstört“, kommentiert Scott Ian. „Wir haben mehr durchgemacht als die meisten Bands in ihrer gesamten Karriere. Zugegeben, wir mussten keine Tragödie wie den Tod eines Bandmitglieds überstehen, doch sahen wir einer vollständig ungewissen Zukunft entgegen. In Ermangelung einer elaborierten Erklärung muss ich wohl einfach gestehen, ein sturer Scheißkerl zu sein, der sich, sobald er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, durch nichts und niemanden davon abbringen lässt. Das war schon immer so und jährt sich bald zum dreißigsten Mal. Ich erinnere mich an den 18. Juli 1981 – Danny Lilker und ich waren gute Freunde und ich sagte ständig zu ihm ´sobald White Heat (Lilkers damalige Band) auseinanderbrechen, gründen wir Anthrax´, worauf er erwiderte, sie würden sich nicht trennen. Hartnäckigkeit zählt zu meinen Charaktereigenschaften, seit ich denken kann, und mit einer derart großartigen Scheibe in der Hinterhand hätte ich es mir niemals von irgendwem verpfuschen lassen.“ Ihre missliche Lage ignorierend scharten sich die verbliebenen Bandmitglieder voller Überzeugung und Glaube an sich selbst für etwas zusammen, das sich zum größten Metal-Event des 21. Jahrhunderts auswachsen sollte: die allererste Show der Big Four. Sich für diesen Gig zusammenzunehmen und auf die Energie vergangener Tage zu besinnen war laut Charlie Benante genau der Anstoß, den ANTHRAX brauchten, um den Rost abschütteln und wieder auf die Beine kommen zu können. „Die ganze Big Four-Idee – und gleichzeitig die Idee, Joey fest in die Band zurückzuholen – kam in der Rock and Roll Hall of Fame auf“, fährt Benante fort. „Lars, Scott und ich unterhielten uns an der Bar und alberten herum, als Lars damit herausplatzte. Der Moment war regelrecht surreal – wir waren uns nicht sicher, ob er uns nur verarschen wollte. Genau in diesem Augenblick geschah es. Wir sagten uns ´wir müssen an dieser Sache festhalten´. Metallica brachten quasi den Stein ins Rollen, indem sie uns den notwendigen Arschtritt verpassten.“ „Joey war von ´85 bis ´92 unser Sänger, also zu der Zeit, als die Karrieren der ´Big Four´ begannen“, fügt Scott hinzu. „Somit war für uns klar, dass er derjenige sein musste, der uns auf diesen Big Four-Shows repräsentiert, und dass wir ihn unbedingt auf der neuen Scheibe dabeihaben wollten.“ Rob Caggiano nimmt den Faden auf: „Charlie rief also Joey an, sie unterhielten sich, und Joey äußerte Interesse. Wir trafen uns daraufhin alle in New York und obwohl niemand von uns wusste, was wir von diesem Treffen zu erwarten hatten, herrschte eine gute Stimmung. Kaum hatten wir die erste Big Four-Show mit Joey absolviert, wussten wir, dass wir das richtige taten. Die Atmosphäre war unbeschreiblich und er klang besser denn je, die Reunion-Tour inbegriffen.“ Die Wiedervereinigung mit Joey Belladonna für diese urgewaltige, höchst erfolgreiche Tour, auf der ANTHRAX Seite an Seite mit Slayer, Megadeth und ihren alten Kumpels von Metallica spielten, warf die Frage auf, wie es weitergehen könnte, wer auf „Worship Music“ singen sollte und wie ANTHRAX an den „We’ve Come For You All“-Nachfolger herangehen würden. Einfach war es nicht, doch vom wilden Angriff auf „Earth on Hell“ bis zur blutroten Macht von „Fight’em ‘Til You Can’t” sind die Resultate erstklassig. „Über die Hälfte des neuen Albums war bereits fertig, bevor wir überhaupt wussten, wer darauf singen würde“, erläutert Charlie. „Nur Scott, Frankie und ich im Proberaum – genau wie damals, zu Zeiten der Arbeit an „Spreading The Diesease“. Nie werde ich den Tag vergessen, an dem ich Joey das erste Mal singen hörte. Ich bekam Gänsehaut am ganzen Körper, war mehr als begeistert und versuchte mit die ganze Zeit vorzustellen, wie er wohl dieses oder jenes Stück singen würde. Und mit jedem neuen Song wuchs meine Euphorie.“ „Der Weg zum Album war ein schmerzhafter, aber ich denke, bei ANTHRAX zu sein ist allgemein mit Schmerzen verbunden“, lacht Bassist Frank Bello. „Nichts geschieht ohne Grund. Wenn ich jetzt das neue Album höre, verstehe ich, warum alles so geschehen musste, wie es geschehen ist – und ich liebe Joeys Stimme! Ich will ihm keinen Honig ums Maul schmieren, aber ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals besser singen gehört zu haben als heute. Er verwirrt mich damit, dass er einfach nicht zu altern scheint und noch immer rausgehen und kraftvoll wie ein junger Löwe brüllen kann! Er wurde mit einer schwierigen Situation konfrontiert und ist daran gewachsen.“ Joey stimmt zu: „Es ist nicht leicht, mitten ins Geschehen geworfen zu werden. Ich fühle mich geehrt, doch gleichzeitig weiß ich, dass ich eine Menge dafür getan habe, hier zu stehen, indem ich aus tiefstem Herzen und nach Leibeskräften gesungen habe – es hat funktioniert!“ Und das ist eine Untertreibung. Co-produziert von Rob Caggiano und Jay Ruston (beide Grammy-nominierte Produzenten) bezieht das Album seinen Namen aus einer von Charlies nächtlichen Schlaflosigkeits-Attacken, während derer er beim Durchzappen der Fernsehprogramme auf ein religiös behaftetes Infomercial mit dem Titel „Worship Music“ gestoßen war. Eine passende Überschrift für ein unbestreitbares Meisterstück übermenschlichen Riffings, bekräftigt durch eine Melodiengewalt, die von ANTHRAXs vollkommener Vormachtsstellung im Songwriting zeugt. Von den himmlisch eindringlichen Tönen in „Worship“ – einem atmosphärischen, von Charlie komponierten Stück – bis zum mitten-in-die-Fresse-Angriff des Openers „Earth On Hell“ sind die Ergebnisse umwerfend. „Worship Music“ weist auch tiefgründigere Seiten auf. „Der Song ´In The End´ verströmt ausgesprochen viel Melancholie“, äußert Charlie. „Er hat im eigentlichen Sinne nichts mit der Band, sondern mit zwei Menschen, die einen engen Bezug zu uns hatten, zu tun – Dimebag und Ronnie James Dio. Sie waren beide Helden und hatten einen riesigen Einfluss auf uns. Darrell spielte auf den letzten drei ANTHRAX-Alben, war quasi ein sechstes Bandmitglied, und Ronnie war immer ein Champion für uns, der uns mit auf Tour nahm und uns immer fantastisch behandelte. Dieser Track musste kreiert werden und sein Entstehungsprozess war sehr kathartisch für uns.“ „Es ist ein episches Stück Musik“, fügt Scott hinzu. „Ich hatte die ganze Zeit den Gedanken im Hinterkopf ´wenn ich unsere Emotionen nur in Textform bringen könnte, ohne komplett schmalzig zu klingen, würde sich dieser Song wie kein Zweiter dazu eignen, unsere Gefühle diesen beiden Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen`. ´ Did we ever tell you how much we loved you, tearing my head off, tearing my face off, ripping my heart out´ - das ist durchaus positiv gemeint. Von dem Moment an, in dem ich das erste Mal Ronnie James Dio hörte, war meine Welt für alle Zeiten auf den Kopf gestellt.“ „Worship Music“ enthält daneben eine weitaus offensichtlichere Huldigung an ANTHRAXs größte Inspirationsquelle Judas Priest - überraschenderweise unter dem Titel „Judas Priest“. „Der Track entstand, als bekannt wurde, dass sie aufhören würden“, erklärt Scott. „Diese Nachricht traf mich sehr – fast vergleichbar mit der Trauer über Ronnies Tod oder dem Mord an Darrell. Meine Gedanken waren in etwa: ´Ist das also der Gang der Dinge, muss ich miterleben, wie alle meine Helden verschwinden?´ Die Vorstellung einer Welt ohne Judas Priest deprimierte mich, sodass ich mit Charlie darüber sprach und wir uns einigten, einen Song mit dem Titel ´Judas Priest´ zu schreiben. Es ist ein reiner, unverhohlener Metal-Song und damit ein Tribut in sich selbst.“ Neben dem kolossalen Crescendo von „Crawl“ und der unwiderstehlichen Eingängigkeit von „The Devil You Know“ gleicht „Worship Music“ einer auf die Welt losgelassenen Massenvernichtungswaffe, deren Auswirkungen bereits deutlich wurden, als im Juli neue Artworks des weltbekannten Comic-Zeichners Alex Ross und „Fight’em ‘Til You Can't” als kostenloser Download auf Anthrax.com hochgeladen wurden, welche wie ein Wirbelsturm über das Internet hinwegfegten. „Wir haben unsere Fans so lange warten lassen, dass sie ein Geschenk verdient hatten“, äußert Scott. In Anbetracht der Tatsache, dass ANTHRAX heuer seit 30 Jahren tapfer kämpfen, wirkt Scotts Sentimentalität besonders ergreifend. Wie es sich anfühlt, drei Dekaden nach Beginn der Bandkarriere ein neues Album zu veröffentlichen? „Es macht mich geradezu verrückt, dass so viel Zeit verstrichen ist“, gibt Charlie zu. „Innerlich fühle ich mich genauso wie früher, doch hätten wir diese Scheibe vor zehn Jahren aufnehmen wollen, wäre ich weitaus stärker auf den Faktor Bedeutsamkeit bedacht gewesen. Heute schere ich mich überhaupt nicht mehr drum. Schließlich geht es darum, das zu tun, wovon wir glauben, dass es den Fans gefällt. Es fällt mir schwer, Vergleiche mit früher zu ziehen. Anno 2011 dreht sich mein Tag noch immer um ANTHRAX. Ich liebe es, wie das neue Album unsere gesamte Karriere widerspiegelt und kann es kaum erwarten, dass die Leute die Scheibe endlich zu hören bekommen.“ Im Laufe der vergangenen 30 Jahren haben ANTHRAX Verkaufszahlen von über zehn Millionen Alben erreicht. Zudem kann die Band auf vielfache Gold- und Platin-Auszeichnungen, Grammy-Nominierungen und jede Menge weitere Ehrungen seitens der Musikindustrie, der Medien und der Fans zurückblicken.

Trackliste Dauer
1 - Worship (intro) 1:40
2 - Earth On Hell 3:10
3 - The Devil You Know 4:46
4 - Fight 'Em Til You Can't 5:48
5 - I'm Alive 5:36
6 - Hymn 1 0:38
7 - In The End 6:48
8 - The Giant 3:47
9 - Hymn 2 0:44
10 - Judas Priest 6:24
11 - Crawl 5:28
12 - The Constant 5:01
13 - Revolution Screams 6:07
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