LETTERS FROM THE COLONY

In den tiefen Wäldern von Zentralschweden, am Ufer des Dalecarlia Flusses, steht ein Stahlwerk, um das eine Stadt erbaut wurde. Dort begraben liegt Borlänge, versteckt zwischen den vielen Hügeln, die die Landschaft charakterisieren. Die Winter dort sind hart, und die Sommer schnell vergänglich. Irgendwo jenseits dieser Hügel braut sich jedoch etwas Verheißungsvolles zusammen, ein Gedanke in den ruhelosen Köpfen einiger Jungen, die in dieser Dystopie aufwuchsen. Denn seit langem dient die Musik als Medium, das die Kluft zwischen einer ereignislosen Kleinstadt und der lebendigen Welt überbrückt. Es ist kein Wunder, dass die Region im Laufe der Jahre so viele erfolgreiche musikalische Talente hervorbrachte, denn leider gibt es nicht viel anderes, was man dort tun kann, um seine Zeit zu vertreiben.

Im Herzen der Stadt ist ein Musikzentrum namens Cozmoz, und in den Katakomben dieser Veranstaltungsstätte befinden sich eine Reihe von Proberäumen, die Bands zu erschwinglichen Preisen mieten können. Die Zimmer und die Flure, die sie verbinden, wurden im Laufe der Jahre zu mehr als nur einem Ort, an dem Teenager gemeinsam Lärm machen konnten. Es ist ein hochfrequentierter Treffpunkt für Gleichgesinnte, die alle davon überzeugt sind, dass Musik ein unsichtbarer Faden ist, der alles verbindet und der verwirrenden Welt einen Sinn verleiht. Ein silberner Faden, der das einzelne Individuum mit einer größeren, kollektiven Seele verbindet. Seit Jahren entspringen immer mehr Bands diesem brodelnden Kessel der Kreativität. LETTERS FROM THE COLONY sind eine dieser Bands.


LETTERS FROM THE COLONY gründeten sich 2010, als Max Sundqvist (Gesang), Sebastian Svalland (Gitarre), Jonas Sköld (Gitarre) und Henrik Dahlqvist (Schlagzeug) ihre Koffer packten für etwas, das eine atemberaubende Reise werden würde. Bereits zu Anfang bemühten sich die Schweden, den bereits gesättigten Metalmarkt zu innovieren; Sie suchten genau die richtige Menge an Progressivität, um den traditionellen Metalfan nicht zu verschrecken, aber dennoch den Status Quo gewaltsam aufzurütteln. Mit dem Release ihrer selbstbetitelten EP, die in Sebastians winziger Ein-Zimmer-Wohnung aufgenommen wurde, hatten sie bewiesen, dass sie verschiedene Elemente von Death Metal, Metalcore und Jazz zu einer komplexen Chimäre verpaaren und etwas seltsam Vertrautes, aber dennoch Originelles erschaffen konnten. Johan Jönsegård wurde später als Vollzeitbassist rekrutiert, und das erste Line-Up von LETTERS FROM THE COLONY war abgeschlossen.

Das Rezept würde sich weiterhin als erfolgreich erweisen, als die Band 2014 ihre »Galax« EP veröffentlichte. Wie bei der selbstbetitelten EP wurden das Mixing und Mastering auch hier von Alexander Backlund übernommen, der bereits ein enger Freund der Band war. Mit den beiden Releases im Gepäck spielte die Band in Schweden und Finnland mehrere Shows und Festivals. Henrik Dahlqvist beschloss allerdings, seinen eigenen Weg zu gehen, und seinen Posten an Hans Karlin zu übergeben, doch seine Zusammenarbeit mit der Band war kurz und endete, als Jonas Sköld die Entscheidung traf, wieder zu seinem Stamminstrument, dem Schlagzeug, zurückzukehren. Auch Max Sundqvist musste aus persönlichen Gründen die Band verlassen.

Ein neuer Gitarrist und Sänger standen nun hoch auf der Wunschliste für LETTERS FROM THE COLONY. Mit zwei Shows in Stockholm auf dem Plan und keinem Sänger in Sicht, forderte die Band jedoch ein paar Gefälligkeiten ein: Alexander Backlund, der bereits mit dem Material der Band vertraut war, wurde als spontaner Ersatz für einen der Stockholmer Termine ins Boot geholt. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen, besonders wenn man bedenkt, dass er noch nie zuvor mit der Band gespielt oder geprobt hatte.

Die Band entschied schnell einstimmig, Alexander Backlund als dauerhaftes Mitglied für LETTERS FROM THE COLONY zu rekrutieren. Mit seinem Wissen als Produzent und frischer Motivation, begann die Band die Vorproduktion ihres ersten Albums im Herbst 2015 – direkt im Studio, das die Truppe im Jahr zuvor erworben hatte. Ein weiterer Line Up-Umwurf geschah, als Johan Jönsegård von Bass zu Gitarre wechselte, was bedeutete, dass Johan Murmester seinen Posten verlassen musste und der lokale Bassist Emil Östberg einsprang. Der Aufnahmeprozess begann im Januar 2016 und wurde Anfang April beendet, bevor der frische Mix an Jens Bogren zum Mastering geschickt wurden. Mit dem fertigen Album suchte die Band nach einem Plattenlabel. Auf Grund der experimentellen Natur der Musik stellten die Jungspunde die sich vorweg auf einen längeren Suchprozess ein, doch letztendlich endete ihre Reise bei dem deutschen Label Nuclear Blast, das große Anerkennung für die Musik zeigte und die Band schließlich unter Vertrag nahm.

»Vignette« wird Anfang 2018 erscheinen und ist die würdige Ansammlung von Schweiß, Blut und Durchhaltevermögen der Band der letzten sieben Jahre. LETTERS FROM THE COLONY kennen keinerlei Grenzen, und das kommende Jahr wird sie einmal durch ganz Europa führen – den sie können es kaum erwarten, ihren Blick hinter die hohen Hügel ihrer Heimat zu werfen. Ein Privileg, das nicht vielen aus den tiefen Wäldern von Dalecarlia zuteil wird.