OPETH

Eine unaufhaltsame Kraft der Einzigartigkeit in einem Meer von fadem Gesöff sind OPETH, die seit inzwischen mehr als 25 Jahren das Regelwerk in die Tonne kloppen und einen einzigartig progressiven und experimentierfreudigen Acker pflügen. In Stockholm 1990 gegründet, begann das Leben der von Sänger, Gitarrist und Songwriter Mikael Åkerfeldt angeführten Truppe als Querdenker und Ehrenmitglieder der damals blühenden schwedischen Death Metal Szene, jedoch war diese Band von ihren frühesten Aufnahmen an weder konform noch einem einzelnen Genre zuzuordnen.

OPETHs erste drei Alben, die einen unnachgiebigen Drang zu einer evolutionären Bewegung an den Tag legten („Orchid“ (1995), „Morningrise“ (1996) und „My Arms, Your Hearse“ (1998)), hoben die Band nachdrücklich von dem sonstigen Metal-Geschehen der 90er ab. Instinktiv mutig und mühelos geheimnisvoll waren diese bahnbrechende Platten, die oberflächlich als ‚Progressive Death Metal‘ beschrieben werden könnten, die aber deutlich mehr waren als das: eine einmalige Bekundung einer tief gehenden Liebe zur Musik in ihrer verblüffenden Gesamtheit, die der Band über die nächsten Jahrzehnte extrem guttun würde. Als OPETH „Still Life“ 1999 herausbrachte (was eine spirituelle und professionelle Verbindung mit der Progressive-Ikone Steven Wilson hervorbrachte), spielten sie schon in einer ganz eigenen Liga und brachten, aus Gewohnheit schon, Metal in unerforschte Gebiete, indem sie jede Menge auseinandergehende Einflüsse geschickt in ihren Markenzeichen-Sound zusammenflochten.

Ein sofortiger Klassiker, der zu einem der meistverehrten Alben der jüngsten Geschichte heranwuchs, war „Blackwater Park“ (2001), was einen entscheidenden Moment in OPETHs Karriere bezeichnete, der zu einer Vielzahl ausgiebiger Touren um den Erdball führte und sicherstellte, dass die Band allgemeinhin als etwas sehr Besonderes gefeiert wird. Mit Åkerfeldts musikalischer Vision und Zurückweisung des Anbiederns an aktuelle Trends, die sie ohne Pause voranbrachten, rückte die Band voran zu zwei aufeinanderfolgenden Heldentaten, dem 2002er „Deliverance“ und seinem überraschend sanftem und gezielt nicht-metallischem Nachfolger „Damnation“ (2003) , nicht ohne unterwegs ihren Status als wahre Erben des ruhelosen Geistes des Progressive Rock auszubauen. OPETH perfektionierten ihren bewährten Sound im 2005er „Ghost Reveries“ und formten ihn in verzogene und beunruhigende Gestalten auf dem hoch gelobten „Watershed“ (2008) um. Sie begannen ihr drittes Jahrzehnt mit einem respekteinflößenden Ruf und einer riesigen internationalen Fan Base. Eine ausverkaufte Show in Londons legendärer Royal Albert Hall (später auf einem besonderen Livealbum mit DVD zu sehen) bedeutete, dass die Band voll und ganz ihrem Status als wahre Größen des modernen Zeitalters gerecht wurde.

Und dann in 2011, mit typischer Dreistigkeit, veröffentlichten sie ihr zehntes Album, „Heritage“. Obwohl die meisten Fans sofort von der wagemutigen Neuerfindung des OPETH’schen Sounds hingerissen waren, schlug die Band mit seinem sehr abenteuerlichen Inhalt auch einen noch experimentelleren Kurs ein, den die meisten ihrer Zeitgenossen nie auch nur in Betracht gezogen hätte, ganz zu schweigen mit solch atemberaubender Gelassenheit für sich beansprucht hätten. Den Death-Metal-Gesangsstil aus ihrem altgedienten Arsenal meidend, zündelten Åkerfeldt und seine Genossen wieder am Regelwerk herum. Noch mehr Touren folgten, inklusive einiger Kinnladen ausrenkender Acoustic-Auftritte, die frisches Licht auf das ganze OPETH-Erlebnis warfen, und trotz vereinzelter negativer Reaktionen von trotzigen Puristen, leitete die Heritage-Ära eine ermutigende Auffrischung einer mehr als zwei Jahrzehnte alten Band ein. Und diese glorreiche kreative Verjüngung setzte sich auf dem elften Studioalbum der Band, dem 2014er „Pale Communion“ auch fort. Dieses Album erweiterte Opeths klangliche Palette um Längen und wahrte dabei trotzdem das lebhafte Wesen, was sie zu Anfang schon zu einem einzigartigen Unterfangen machte. Pale Communion ist eine Platte, die intuitiv und kompromisslos zusammenkam, vorwärtsgetrieben von der magischen Chemie zwischen allen fünf Bandmitgliedern.

2016 ist die Zeit für „Sorceress“ gekommen, und alle blicken gespannt darauf, was das zwölfte Album zu bieten hat. Das Album stellt die erste Zusammenarbeit mit Nuclear Blast über das bandeigene Label Moderbolaget Records dar und ist der Beweis, dass Chefarchitekt Mikael Åkerfeldt niemals versiegende Inspirationsquellen in sich trägt. OPETHs zwölfter Longplayer ist ein grandioses Abenteuer, das den Blick verändert, Farben vor dem Auge verstummen lässt und Raum und Zeit komplett aushebelt.