2011

HellNuclear Blast wäre nicht Nuclear Blast, wenn das Jahr 2011 nicht gleich mit einem Knall beginnen würde – ach was, gleich mehrere davon! Die österreichischen Satansschergen BELPHEGOR legten mit „Blood Magick Necromance“ einen satten Brocken Death/Black Metal vor, der es bis in die deutschen und österreichischen Albumcharts schaffte. Softer hingegen gingen die Norweger SIRENIA die Sache mit „The Enigma Of Life“ an: feinster female-fronted Gothic Metal! Und es gab auch gleich wieder Familienzuwachs: die legendären, wiederbelebten UK-NWOBHM-Recken HELL sind ab jetzt auch bei Nuclear Blast zuhause.


Und auch der Februar zeigte ein vielseitiges Gesicht: die Finnen KORPIKLAANI sorgten mit „Ukon Wacka“ für heidnische Feierstimmung, und mit „Nuclear Blast Clips Vol. 1“ erreichte ein satter Videoclip-Sampler auf DVD und Blu-ray die heimischen TV-Geräte. Und CONDEMNED?, die 1987 mit „Humanoid Or Biomechanoid?“ als zweiter Release in die Nuclear Blast-Geschichte eingingen, fanden sich überraschend wieder zusammen: mit ihrem Comeback „Condemned 2 Death“ gab es eine waschechte Oldschool-Punk/HC-Keule zu bestaunen! Zurückgekehrt zu Nuclear Blast waren auch die Teutonen-Thrasher von DESTRUCTION, und zwar mit einem Thrash-Oberhammer namens „Day Of Reckoning“. Auch FLOTSAM & JETSAM, frisch in Donzdorf zuhause, frönen purem Thrash Metal, wenn auch amerikanischer Prägung – und mit „The Cold“ gelang ihnen auch gleich der Sprung in die deutschen Albumcharts! In den oberen Regionen derselben tummelten sich auch sogleich die unvergleichlichen APOKALYPTISCHEN REITER, die mit „Moral & Wahnsinn“ ein kongeniales Hit-Feuerwerk ablieferten, das Fans wie Presse gleichsam begeisterte. Und noch mal Finnland: BEFORE THE DAWN, ebenfalls ein brandneuer Zugang im NB-Stall, legten ein starkes Stück mit dem Dark Metal-Meisterwerk „Deathstar Rising“ vor!

Einen unterkühlten März heizten die NYHC-Legenden AGNOSTIC FRONT dann auch gleich mit „My Life My Way“ auf, einem Bollwerk an Singalongs und Strassencharme. Moderner gingen da die britischen Shooting Stars von SYLOSIS mit „Edge Of The Earth“ und heftigen bis melodischen Modern Thrash-Klängen zu Werke – da stand nicht nur Großbritannien Kopf! Einen weiteren Knaller des Monats lieferte Tobias Sammets Allstar-Metal-Oper AVANTASIA ab, die auf der monumentalen Doppel-DVD „The Flying Opera“ ihre im Jahr 2008 unternommene Welttournee in rekordverdächtigen 20 Tagen dokumentierte.
Ende März ließen die Schweden von GRAVEYARD die Herzen aller Classic Rock-Fans und Liebhaber analoger Aufnahmen durch ihr Nuclear Blast-Debüts „Hisingen Blues“ höher schlagen und landeten damit verdienterweise in ihrem Heimatland auf der Pole Position der Charts.

Alles andere als einen Scherz erlaubte sich ex-Immortal-Gitarrist Demonaz am 1. April, als er auf seinem Solo-Debüt „March Of The Norse“ die Nordvölker aufmarschieren ließ und damit erstmals seit seinem gesundheitsbedingten Rückzug in den Hintergrund bei Immortal, für welche er allerdings nach wie vor als Texter tätig ist, selbst die Instrumente schwang.
In den darauffolgenden Wochen eröffneten uns die Melodic Deather SCAR SYMMETRY den Blick auf ihr „Unseen Empire“, WHILE HEAVEN WEPT-Mastermind Tom Phillips ließ uns an seiner „Fear Of Infinity“ teilhaben und die Schweizer Erzengel SAMAEL brachten via „Lux Mundi“ das Licht der Welt zum Erstrahlen.


Im Mai hieß es dann „Ring frei für Runde drei“, als sich das norwegische Quintett CHROME DIVISION anschickte, uns alle mit einem „3rd Round Knockout“ auf die Bretter zu schicken. Die Nostalgiker-Fraktion wurde zum einen von TAROT in Form der Neuveröffentlichung ihres 1986er-Debüts „The Spell Of Iron“ unter dem programmatischen Titel „The Spell Of Iron MMXI“ bedient und zum anderen mit einem besonderen Leckerbissen verwöhnt: HELL, die kultigen NWOBHM-Rocker, denen der große Durchbruch im Jahrzehnt ihrer Entstehung verwehrt geblieben war, veröffentlichten knapp drei Jahrzehnte später in einer erfrischenden, generationsübergreifenden Besetzung aus Originalmitgliedern und Neuzugängen ihr aus Neueinspielungen alter Demos bestehendes Album „Human Remains“. Die Scheibe schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe und veranlasste die internationale Presse, sich mit Preisungen und Lobeshymnen förmlich zu überschlagen – so konnte konnte man von „Human Remains“ mehrfach als „Album des Jahres“ lesen. Noch bevor der Monat sich dem Ende neigte, brach eine Seuche aus, die sich rasend schnell von Schweden ausgehend über den gesamten europäischen Kontinent und darüber hinaus ausbreitete. Ehe man sich versah, war ringsum alles und jeder „Infected“ – lediglich exzessives Headbangen versprach Linderung zu verschaffen. Schuld daran waren HAMMERFALL, die mit ihrem neuesten Output zu begeistern wussten, was sich nicht zuletzt im Einstieg auf Platz 2 der schwedischen Charts manifestierte. Nicht fünf vor zwölf sondern Viertel nach schlug es mit der Debüt-Veröffentlichung von MAYAN. In Form von „Quarterpast“ bot das Allstar-Sextett um Epica-Grunzer und Gitarrero Marc Jansen symphonischen Technical Death Metal feil, nachdem mithilfe überzeugender Demo-Aufnahmen ein Deal mit Nuclear Blast zustande gekommen war. Album Nummer zehn ihrer mittlerweile über zwei Dekaden umfassenden Bandgeschichte lieferten AMORPHIS, die finnischen Meister melancholischer Melodien, zum Ende des Wonnemonats ab, und konnten damit die Pole Position der finnischen Charts erklimmen.

PainDie alte Binsenweisheit „man lebt nur einmal“ erfuhr Anfang Juni durch das Allround-Talent Peter Tägtgren und seine Industrial Metal-Combo PAIN eine Korrektur. Eine weitere Scheibe voll tanzbarer und doch knüppelharter Stücke überzeugte jeden Liebhaber elektronisch durchsetzten Metals davon, dass das Sprichfort fortan „You Only Live Twice“ lauten müsste.
Das Jahr 2011 bescherte der US-Death Metal-Truppe ORIGIN nicht nur einen neuen Frontmann, sondern auch gleich einen Vertrag mit Nuclear Blast, die in der Folge am 10. Juni das fünfte Album des Quintetts aus Topeka, Kansas veröffentlichten. RHAPSODY OF FIRE, Erfinder des „Film Score Metal“ und unumstrittene Metal-Könige Italiens, setzten mit „From Chaos To Eternity“ einen fulminanten Schlussstrich unter ihre vor 15 Jahren begonnene Emerald Sword Saga, SYMPHONY X zeichneten zeitgleich mit dem Pinsel ihres fesselnden progressiven Kompositionskunst in Form von „Iconoclast“ ihre bedrohliche Vision einer Zukunft, in der die die Maschinen vollends die Kontrolle über den Menschen erlangt haben, und das brasilianische Thrash-Gespann SEPULTURA knüppelte mit „Kairos“ ein energiegeladenes Album sondergleichen zusammen.

Meteorologisch gesehen fiel der Sommer 2011 zwar überwiegend enttäuschend aus, doch zahlreiche erstklassige Veröffentlichungen trösteten über die niedrigen Temperaturen hinweg und ließen wenigstens die Ohren eine amtliche Hitzewelle erleben. Die Death-Grind-Fraktion LOCK UP, bestehend aus namhaften Musikern des Genres, gab am 1. Juli mit „Necropolis Transparent“ den Startschuss für einen veröffentlichungsreichen Monat. DECAPITATED feierten mit „Carnival Is Forever“ gebührend ihren Einstand bei Nuclear Blast, während das norwegische Prog-Trio COMMUNIC durch ihr neues Werk „The Bottom Deep“ bereits auf vier Veröffentlichungen beim Donzdorfer Metal-Riesen verweisen konnte. Ein weiteres Allstar-Projekt feuerte sein heißersehntes Debüt ab – „Tactical“ aus dem Hause WORLD UNDER BLOOD offerierte durchdachten Melodic Death Metal vom Feinsten. Alles andere als eitel Sonnenschein versprachen die Extrem-Metaller ALL SHALL PERISH aus dem (vermeintlichen) Sonnenstaat Kalifornien, als sie am Monatsende zeigten: „This Is Where It Ends“.

SabatonVADER, seit den 80ern zur Speerspitze der polnischen Death Metal-Szene gehörend, hießen uns im August „Welcome To The Morbid Reich“. Die schwedischen Epic Power Metal-Krieger SABATON feierten kurz darauf mit dem ersten Live-Album der Bandgeschichte eine Weltpremiere. „World War Live – Battle Of The Baltic Sea“ bündelte die sagenhafte Live-Power der Band erstmalig auf CD. Nach dem riesigen Erfolg ihres Zweitwerks „Hisingen Blues“ entschlossen sich die Classic Rocker GRAVEYARD gemeinsam mit Nuclear Blast dazu, ihre gefragte, mittlerweile schwer zu findende erste Scheibe „Graveyard“ in unveränderter Form und mit dem unverwechselbaren 70er-Charme ausgestattet, den die Fans an den Schweden so lieben, wiederzuveröffentlichen. Zeitgleich konnte ein weiterer Neuzugang in der großen Blast-Familie willkommen geheißen werden. FLESHGOD APOCALYPSE verstanden es, die internationale Presse durch ihren packenden Mix aus technischem Death Metal und klassischen Elementen noch vor Release des Albums „Agony“ euphorisch zu stimmen. Euphorie ist auch vorprogrammiert, wenn sich Tobias Sammet anschickt, mit seiner Stamm-Combo EDGUY ein neues Sahnestück herauszubringen. Wenig verwunderlich also, dass „Age Of The Joker“ in seiner ganzen kompositorischen Raffinesse, verfeinert durch einen Schuss des typisch Sammetschen Humors, von Kritikern und Fans gleichermaßen frenetisch bejubelt wurde.

AnthraxDer September sollte der Monat der Nuclear Blast-Debütanten werden. Den Anfang machte die tschechische Combo SEVEN, deren „Freedom Call“ in der Schnittmenge aus RAGE- und BRAINSTORM-Elementen prompt großen Anklang fand. Ungleich härter gingen die schwedischen Melodic Death Metaller CIPHER SYSTEM zu Werke, die mit ihrem neuen Werk „Communicate The Storms“ in den Augen vieler Pressevertreter dem Vergleich mit den Genrekollegen und Landsleuten von SOILWORK locker standhalten konnten. Dem Zeitgeist entsprechend durfte natürlich der Modern Metal bzw. Metalcore nicht zu kurz kommen, dem gleich im Dreierpack Genüge getan wurde: WE CAME AS ROMANS, TASTERS und TEXTURES verstanden sich hervorragend darauf, der Konkurrenz durch ihren mitreißenden Mix aus knüppelharter Brutalität und eingängigen Melodien zu zeigen, was eine Harke ist! Doch auch alteingesessene Recken meldeten sich zurück: Die legendären US-Thrasher ANTHRAX huldigten dem Metal mit einer Scheibe voller fulminanter Kompositionen der Spitzenklasse, sodass „Worship Music“ in einer immer schneller drehenden, rastlosen Welt den Ausnahmestatus eines brillanten musikalischen Manifests für die Ewigkeit einnehmen konnte. GOTTHARD schlossen mit der Veröffentlichung ihres Live-Albums „Homegrown – Alive In Lugano“ nicht nur den Monat, sondern auch ein großes Kapitel ihrer Bandgeschichte ab. Nach dem tragischen Unfalltod Steve Lees im Oktober 2010, der die Schweizer Hard Rocker seit jeher angeführt hatte, wurde mit diesem letzten mitgeschnittenen Konzert der Band aus dem Juli 2010 das Vermächtnis des Aufnahmesängers herausgebracht, bevor der Blick der verbleibenden Bandmitglieder auf die Zukunft und der damit verbundenen Suche nach einem neuen Sänger gerichtet wurde.

HypocrisyDen im Vormonat deutlich gewordenen Trend zu moderneren Klängen setzten Anfang Oktober sowohl THREAT SIGNAL als auch TEXAS IN JULY fort, obgleich beide Truppen ihre Werke „Threat Signal“ bzw. „One Reality“ mit einem noch größeren Härte-Anteil würzten als es ihre Labelkollegen zuvor getan hatten. Die schwedischen Death Metal-Experten HYPOCRISY feierten ihr 20-jähriges Bestehen in Form einer umfangreichen DVD+2CD-Veröffentlichung, die mit ihrer dem Konzertmitschnitt aus dem bulgarischen Sofia angehängten, ausführlichen Band-Dokumentation dem Titel „20 Years Of Chaos And Confusion“ alle Ehre machte! Nie zuvor wurden den Fans derart tiefe Einblicke in das chaotische Treiben hinter den Kulissen der Band ermöglicht. Die italienischen Dark Metal-Urväter GRAVEWORM ließen uns anschließend mit „Fragments Of Death“ an ihrer Rückbesinnung auf ihre musikalischen Wurzeln teilhaben und HARDCORE SUPERSTAR – Erfinder des Street Metal – lieferten mit „The Party Ain’t Over Til We Say So“ gleichermaßen einen Überblick über die Klassiker ihres Backkatalogs als auch den perfekten Soundtrack für jede feuchtfröhliche Rock’n’Roll-Party ab!


NightwishDer November startete mit einer Best-Of CD von DEATHSTARS, die zur selben Zeit als Support von RAMMSTEIN auf Tour waren und all abendlich vor mehr als 10.000 Fans begeistern konnten. Ebenfalls eine Best-Of präsentieren DIE APOKALYPTISCHEN REITER. Nostalgikern hingegen treibt die 2-CD von ABOMINATION die Freudentränen ins Gesicht. Beide Longplayer der Kultcombo, samt massivem Bonusmaterial auf zwei Silberlingen verteilt. SONATA ARCTICA zeigen ihre Geschicke auf einer Live DVD, während NIGHTWISH mit „Storytime“ den ersten Vorboten aus ihrem neuen Studioalbum „Imaginaerum“ ins Rennen schicken. Dieser erscheint schließlich am 2. Dezember und erreicht weltweit grandiose Charterfolge. Ausgerechnet im krisengebeutelten Griechenland gibt es bereits noch im Dezember die erste Gold-Meldung. Eine tolle Neuigkeit zum Ende eines grandiosen Jahres mit vielen, erstklassigen Veröffentlichungen.