1998 - 2002

Immortal Kurzum: der Aufwärtstrend der Firma ist unübersehbar. Und das in einer Zeit, die ansonsten innerhalb der Musikbranche nicht mehr wirklich viele Aufwärtstrends zu verbuchen hat. CD-Verkaufszahlen sind weltweit rückläufig. Illegales Downloaden und Brennen von CDs ist traurige Mode geworden und wird von Jahr zu Jahr gängigere Praxis. Große Konzerne kämpfen scheinbar vergeblich gegen die ganz großen Einbrüche. Heavy Metal ist derweil nach wie vor ein kommerziell wenig beachtetes Phänomen. Seine Anhänger beweisen sich als standhafte, selbstbewusste Konsumenten, die nach wie vor Musik auf hochwertig gestalteten CDs mit Sammlerwert zu schätzen wissen und dem Download-Wahn weit weniger verfallen sind als so manch anderes Klientel. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass NUCLEAR BLAST trotz der sehr schlechten allgemeinen Marktprognosen einen weiteren großen Schritt nach vorne machen kann.

Hammerfall Mit HAMMERFALLs zweitem Album »Legacy Of Kings« kann 1998 gar der bis dato höchste Chart- Einstieg der Firmengeschichte erreicht werden. Das Album, an das nicht nur die Metal-Szene selbst aufgrund des großen Erfolges mit dem Debüt hohe Erwartungen knüpft, schießt auf Platz 15 der Deutschen Media Control-Charts und verblüfft die Musikwelt damit einmal mehr: ausgerechnet eine Band, die die traditionellste Form des Heavy Metals praktiziert und in den Augen vieler Kritiker als „ altbacken“ und „zu wenig innovativ“ gilt, prescht einen weiteren großen Schritt nach vorne und kann den Erfolg weiter ausbauen. Sämtliche Eintagsfliegen-Mutmaßungen sind auf einen Schlag zunichte. „ Ich habe schon gespürt, dass in dieser Band sehr viel Potential steckt und dass sie mit der Frische, die sie einfach mitbrachten, auch noch viel weiter kommen könnten“, beschreibt Firmenchef Markus Staiger seine damaligen Eindrücke. „Dass man mit einem traditionellen Metal-Album allerdings so weit kommen würde, konnte man nicht ahnen. Das war unbeschreiblich.“

Etwa zur gleichen Zeit erleben Metal-Festivals einen Aufwärtstrend. Fans aus der ganzen Welt pilgern für einige Tage auf die jeweiligen Gelände und bescheren so manchem Festivalveranstalter ungeahnte Besucherrekorde. NUCLEAR BLAST arbeitet eng mit den Events zusammen und somit ausschlaggebend an der Globalisierung des Heavy Metals. Zum Ende des Jahres 1998 verfügt das Donzdorfer Label bereits über eine weltweite Vertriebsstruktur. Ab sofort werden Alben weltweit zum Verkauf angeboten. NUCLEAR BLAST erlangt damit endgültig globale Bekanntheit.

Unterstützt wird das Ganze durch den Ausbau der NUCLEAR BLAST-Page. Auf den beiden Bereichen „Label“ und „Shop“ können Metal-Fans weltweit Infos über die labeleigenen Bands beziehen und Mailorder-Produkte online bestellen. Markus Staigers ursprünglicher Wunsch, seine Musik so vielen anderen wie nur möglich zugänglich zu machen, hat sich damit erfüllt. „Als ich in den Achtzigern mit meinem ersten Mailorder angefangen habe, wollte ich den Leuten die Musik näher bringen, auf die ich selber gestanden habe“, erinnert er sich. „Ich wollte, dass alle die Platten hören können, die ich selber für hörenswert gefunden habe.“ Eine Zielsetzung, die knapp zehn Jahre später eine weltweite Dimension erreicht hat.

Gebäude 1999 geht es noch einmal weiter bergauf. 14 Chart-Entries in einem Jahr bilden den bisherigen Firmenrekord in Sachen Hitparadenpräsenz. Mit MANOWARs Live-Album »Hell On Stage« befindet sich darunter auch das NUCLEAR BLAST-Debüt einer der wohl namhaftesten Bands der Szene.

Da durch all die Ereignisse das Arbeitspensum der Firma drastisch ansteigt und noch einmal der Mitarbeiterstamm aufgestockt werden muss, ist der Umzug in ein neues, größeres Bürogebäude unvermeidlich. So zieht die Firma Ende 1999 in das bis heute aktuelle Gebäude im Donzdorfer Industriegebiet. Dort findet sich auch Platz für einen eigenen Shop, der, direkt an den Firmentrakt angegliedert, großzügig Verkaufsfläche für CDs, Merchandise und Metal-Utensilien jeglicher Art bietet. Und nicht nur das: in dem Laden wird zudem eine Vorverkaufsstelle für Karten zu Veranstaltungen aus der ganzen Region Stuttgart-Ulm eingerichtet. Kunden können hier neben der regulären Heavy Metal-CD somit auch Eintrittskarten für Konzerte jeglicher Art, Fußballspiele und dergleichen erwerben.

Im Jahr 2000 nimmt die Firma dann nochmals eine Stufe in Richtung ganz oben: mit STRATOVARIUS´ Album »Infinite« feiert das Plattenlabel seine erste Goldauszeichnung für die mit der Scheibe erzielten Verkäufe in Finnland.

Manowar
Zur gleichen Zeit wird das NUCLEAR BLAST-Streetteam vollends ausgebaut. Während dem Wacken Open Air im August 2000 hat es seinen ersten großen Einsatz, verteilt Flyer und sorgt dafür, dass der NUCLEAR BLAST auf dem Festivalgelände ein präsenter Begriff ist. Ende 2001 verfügt das Streetteam über 50 permanente Mitglieder, die über ganz Deutschland verteilt sind und auf Festivals, Konzerten und in Discos und Clubs Promotion-Material verteilen und Plakate aufhängen.

Anfang 2000 verlegt die Nuclear Blast America Inc. auf der anderen Seite des Globus ihre Büroräume von Tampa, Florida nach Philadelphia, zieht aber bereits gegen Ende des Jahres weiter westwärts nach Kalifornien, nachdem eine Partnerschaft mit Century Media Records zustande gekommen ist. Gemeinsam mit ebendiesem namhaften Metal-Label wird den Geschäften von nun an vom Sitz in Los Angeles aus nachgegangen.

Im Laufe des Jahres 2002 erwerben die Labels das Gebäude mit angeschlossenem Lagerhaus auf dem 2323 w. El Segundo Blvd. im kalifornischen Hawthorne, das der wachsenden Belegschaft ausreichend Platz zum Arbeiten bietet. Mit dem festen Vorsatz vor Augen, weitert zu expandieren, gelingt es dem Independent Label, zu einer der größten Plattenfirmen des Landes zu avancieren.

Ende 2002 kann in den USA auf bedeutende Charterfolge des SOILWORK-Albums »Natural Born Chaos« sowie der MESHUGGAH-Scheibe »Nothing« zurückgeblickt werden – Alben, die bis in die Gegenwart innerhalb der Metal-Gemeinde Klassikerstatus genießen.

2002 markiert schließlich den nächsten wichtigen Punkt in der Firmen-Historie: mit MANOWARs Single »Warriors Of The World« gelingt der höchste Einstieg in die deutschen Single-Charts seit Bestehen des Labels. Der Song chartet auf Platz 15. Auch das wenig später veröffentlichte Album »Warriors Of The World United« knüpft an den Erfolg an, chartet gar auf Platz 2 und hält sich geschlagene 25 Wochen in der deutschen Hitparade. Die Veröffentlichung erhält einige Zeit später außerdem eine Goldauszeichnung.

Als runder Jahresabschluss eröffnet Ende 2002 das Südamerika-Büro in Sao Paulo, Brasilien. Mit der einstigen One Man-Show irgendwo in Donzdorf hat NUCLEAR BLAST längst nichts mehr zu tun.