Eigentlich beginnt die Geschichte von NUCLEAR BLAST bereits weit vor dem Jahr 1987. Mit acht Jahren bekommt der gebürtige Donzdorfer, Markus Staiger, einen Kassettenrecorder geschenkt. Während er damit aktuelle Songs von MIKE OLDFIELD, DAVID DUNDAS oder den BAY CITY ROLLERS aus dem Radio aufnimmt, entdeckt er seine Faszination für Musik. Er beginnt, sich immer intensiver damit zu beschäftigen und kauft sich mit elf Jahren schließlich die erste Vinyl-Single von seinem Taschengeld: »I Was Made For Loving You« von KISS. Dicht gefolgt von einer GARY NUMAN- und einer BEATLES-Platte. Kurz nachdem Markus mit 13 Jahren sein erstes Livekonzert miterlebt, die SCORPIONS in Göppingen, wird sein Musikgeschmack spezieller. Markus Staigers Interesse für Punk und Hardcore erwacht und bewegt ihn schließlich zur Gründung seines ersten kleinen Fanzines mit Namen » Graffiti«. Das hat die doch recht ordentliche Auflage von 500 Stück und existiert satte fünf Ausgaben lang. Am Ende verfügt Markus über ein beachtliches Know-How, was die US Punk- und Hardcore- Szene anbelangt, und mit dem auch der Traum einher geht, eines Tages selbst einmal in die USA zu reisen, um dort auf Tuchfühlung mit seiner Lieblingsmusik zu gehen.
Im historischen Jahr 1987 erfüllt sich der damals Zivildienst Leistende diesen Traum, fliegt in die Vereinigten Staaten und kehrt mit dem Entschluss zurück, ein eigenes Plattenlabel zu gründen. „Ich habe davor schon einen kleinen Mailorder betrieben, der zuerst »Misthaufen Distribution« und danach » Core« hieß“, erinnert sich Markus an die Stunde Null. „Als ich dann aus den Staaten wieder kam, habe ich dazu noch das Label Ins Leben gerufen.“ Im Einklang mit einer seiner damaligen Lieblingsbands BLAST, die er in den USA sogar live miterleben konnte, beschließt Markus, seine neugeborene Firma BLAST zu taufen. Weil ihm das jedoch als etwas zu schlicht erscheint, setzt er kurzerhand noch ein NUCLEAR davor und hat damit den Namen gefunden, der mittlerweile auf der ganzen Welt berühmt ist: NUCLEAR BLAST.
Noch im Gründungsjahr erscheinen die ersten Platten mit den Katalognummern NB001, NB002 und NB003. „NB001 ist ein US-Sampler mit dem Titel »
Senseless Death« gewesen, auf dem Bands wie ATTITUDE oder DEHUMANIZERS vertreten waren“, weiß Markus noch gut. „NB002 war das
CONDEMNED-Album »
Humanoid Or Biomechanoid«, und hinter NB003 verbirgt sich sogar ein richtiger Knaller, das Debut-Album von IMPULSE MANSLAUGHTER aus Chicago. Die Jungs habe ich während meines US-Trips kennen gelernt und sie haben mir erzählt, dass sie ein Label für Europa suchen. Sie machten ziemlich derben Hardcore mit Schreigesang.“
Ins pure Abenteuer stürzt Markus sich mit der Gründung von NUCLEAR BLAST jedoch nicht. Von Anfang an macht er sich Gedanken darüber, wie er mit dem Label verfahren will und was seine Pläne für die nähere Zukunft sind. „Mein Ziel war es, das ganze noch während meinem Zivildienst so aufzubauen, dass ich es anschließend riskieren konnte, das Label hauptberuflich weiterzuführen“, beschreibt der Plattenfirmengründer. Ob dem Gelingen wirklich sicher sein konnte er sich allerdings nicht. „Alles Geld, was während meinem Zivildienst rein kam, habe ich sofort wieder dafür verwendet, neue Platten für den Mailorder einzukaufen. Und an den ersten Veröffentlichungen war zudem nicht wirklich was verdient. Die haben alle so um die 1000 Stück verkauft, und auch hier ging das Geld dafür drauf, neue Bands aufzutreiben und denen Vorschüsse zu zahlen. Zwar haben die sich nur im Bereich zwischen 300 und 500 DM bewegt, aber da die Verkäufe eben auch nicht besonders hoch waren, ist da nichts hängen geblieben. Es war einfach der pure Wunsch, die Musik herausbringen und vertreiben zu können, die ich so sehr liebte.“